5. Dezember – Chang Mai

5 Uhr morgens. Die Nacht ist aprupt zu Ende. Aus allen Richtungen schmettern Lautsprecherdurchsagen auf Thailaendisch auf uns ein. Es spielt in einer Endlosschleife ein und das selbe Lied. Ich tippe auf die Nationalhymne und versuche krampfhaft noch ein wenig zu schlafen. Trotz Oropax, das geheule geht durch Mark und Bein. Ist heute nicht der Geburtstag des Koenigs?

Es ertoent erneut die Hymne, wir koennen sie inzwischen auswendig. Im Bad aehnelt das Ganze dank der Kacheln einem arabischen Morgengebet. Nebenan ist praktischerweise ein Tempel. Morgentliche Mantras mischen sich mit vorbei fahrenden Jeeps, auf denen riesige Lautsprecher montiert sind. Die naechste Wahl steht an. Erwaehnte ich das diese auch bis zum Anschlag aufgedreht sind? Ruhe auf dem Land ist halt nie zu unterschaetzen.

Die zur Wahl stehenden Damen und Herren blicken alle mehr oder weniger gleich waxartig, eingehuellt in bestes Tuch, garniert mit ausgedachten Uniformen und ordentlich Lametta auf dem Rewehr.

Um 7 Uhr raemen wir fix unser Zimmer und steigen zu den anderen Spiessgesellen im bereits wartenden Pickup.

1. Stop. Eine Flossfahrt auf Bambusbooten. Einer von uns muss am Heck den „Steuer und Drueck mich bitte von den Klipppen weg“ Stock betaetigen. John, ein Englaender, meistert diese Aufgabe mit bravur. Wir werden natuerlich alle ordentlich nass, es macht aber auch Laune wie Jeck. Bloss nicht in den Fluss fallen! Katja erspaet am Ufer ihre erste Schlange. Am Ende der Fahrt kaufen wir einen netten Schnappschuss.

Nach einem leckeren Fruehstueck geht es zu Fuss weiter ueber Stock und Stein, durch die verwinkelsten Ecken die Thailand zu bieten hat. Vorbei an Wasserlaeufen, Reisfeldern, schmalen Berghaengen und balancierend ueber glitschige Bambusbruecken, die etwas morsch ueber Fluessen baumeln. Katja haelt sich tapfer. Ich mache da mit der Kamera schon einen besorgniss erregenderen Eindruck. Gleichgewichtssinn ist einfach nicht mein Ding. Jesses… nicht… runter… schauen.

Zwischenstop zum Duschen. Ein Wasserfall sammt Grotte. Es ist eisig kalt, aber sehr erfrischend. Ein paar von uns machen den ein oder anderen Koepper. Ich fotografiere lieber. Die Hitze steigt mittlerweile in ungeahnte Hoehen. Wir koennen gar nicht genug Wasser auftreiben, ruck zuck ist alles wieder geleert.

Gegen 7 Uhr erreichen wir unser Nachtlager. Eine ganz einfache Huette am Rande eines Bergdorfes. Kein Strom, kein fliessendes Wasser. Nichts. Neben den simplen Toiletten grasen ein Paar Rinder. Na, dafuer gibt es aber eine ordentliche Priese Lagerfeuerromantik, leckeres Thaifood und einige der Haarstraeubensten Geschichten diesseits des Aequators. Eine um unser Lager streifende Hundefamilie mit 2 Welpen hat es Katja besonders angetan. Ich staune ueber das kompakte Mass, welches die Hunde hier generell an den Tag legen.

Die Sonne geht rasend schnell unter und belohnt uns mit einem wundervoll klaren Sternenhimmel. Nach und nach legen sich die ersten in die Koje. Wir loesen derweilen mit den Guides und dem verbliebenem harten Kern witzige Streichholzraetzel und singen Thaisongs mit englischen Liedtexten und umgekehrt. Jacky, einer der Guides, reicht eine in Bananenblaettern gedrehte Buschzigarette. Riecht wie Pfeifentabak, aber ist ultra stark. Jackies richtigen Namen erfahren wir leider nie, er meint der sei zu komplex fuer den Normaltouristen, daher einfach nur Jacky. Praktischerweise sieht er auch noch genau so aus wie Jacky Chan. Das macht die Sache einfacher. Sein Kollege nennt sich selber Woody Buddah. Wohl wegen seiner Koerperfuelle. Ein echter Kugelblitz. Die Thaiversion von „No woman no cry“ kommt besonders gut an. Unsere Version von „Oh Tannenbaum…“ ist aber auch ein Gassenhauer. Schade das wir kein Toband hatten, es war dermassen schief das im Tal bestimmt die Blaetter von den Baeumen gefallen sind.

Irgendwann wurde es auch uns zu kalt und wir kletterten ueber eine Leiter in die Huette. Schuhe bitte vor der Behausung ausziehen, soviel Zeit muss sein. Fuer jeden gab es nur eine duenne Stoffdecke, das Moskitonetz scheint aber in Ordnung zu sein. Keine undichten Loecher zu sehen. Ich lausche noch der Dschungeltonkulisse und entschlummere dann seelig.

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