Ezekiel und der Querholm. Das gestrige Tinkgelage hat seine Spuren hinterlassen. Puenktlich um 6 Uhr morgens haetten wir schwoeren koennen, das jemand durch unsere Bude tiegert. Mensch oder Tier? Direkt um das Bett oder im Raum nebenan? Michi war so auf Draht, dass er direkt die Wohnung durchsuchte. Im Endeffekt war es nur der Mieter vom oberen Stockwerk. Jeder muss mal zur Arbeit.
Schnell wieder rumgedreht, der Wecker ist fuer 11 Uhr gestellt. Ezekiel wollte schliesslich um 12 Uhr fuer ein original, allemanisches Fruehstueck auf der Matte stehen. Er ist auf die Minute puenktlich, zwar etwas lediert, aber bereits startklar fuer einen kleinen Rundgang durch die Stadt. Fruehstueck im Sinne von etwas Essen kennt er nicht. Ein ultra starker Kaffe und ein Glas Wasser sollte fuer einen Start in den Tag vollends ausreichen.
Ezekiel fuehrt uns zum Gruendungshaus, in dem die Argentinische Verfassung unterzeichnet wurde, der traditionellen Markthalle und dem groessten orientalischen Troedelmarkt in ganz Tucuman. Alles was gut und teuer ist, kann hier als mehr oder weniger gute Imitation ersteigert werden. In der Markthalle beeindruckt mich am meisten das breit ausgelegte Angebot an Hirn, Innereien, Gedaermen und ganzen Gaumen & Zungenapperillos. Herrlich, was gibt es heute zu essen? Mein Magen wuerde jetzt gerne eine Runde Polka tanzen. Michi und Hezekiel amuesiert das natuerlich praechtig. Da die Hitze heute besonders stark ist, verkruemeln wir uns in ein von der lauten Strasse abgelegenes, kleines Lokal mit Schatten satt. Laut Ezekiel raeumt der Laden hier regelmaesig Preise fuer die gute Kueche ab. Wir vertrauen ihm natuerlich blind und ordern die ersten Tappas.
Ezekiel gibt eine Geschichte nach dem anderen ueber Matias, Capo, Citcho und seine Arbeit als Fotograf zum besten und laesst sich von uns bereitwillig ein paar Bandempfehlungen quittieren. Eine besonders gute Geschichte will ich euch aber nicht vorenthalten. Eze war von seine Zeitung fuer ein Fussballligaspiel abbestellt worden. Doch just in dem Moment als er das Eingangstor passieren wollte wird er von dem etwas zu niedrig montierten Tuerholm hart aber herzlich zu Boden gestreckt. Aus einer Platzwunde am Kopf stroemt daraufhin ein nicht zu unterschaetzender Blutschwall. Kein Problem, Krankenwagen rufen, ab ins Krankenhaus und etwas Aspirin. Der Haken an der Geschichte war nur, das der Krankenwagen, den ihn in Krankenhaus brachte, der einzige war, den die Stadt Tucuman fuer das ganze Stadion, normale Besucher und Spieler mitinbegriffen, bereit gestellt hatte.
Im Krankenhaus angekommen ruft ihn natuerlich sein Chef an. Wie laeuft das Spiel? Wann kommen die ersten Fotos? Die vermeindliche Ausrede von Ezekiel, das er das Spiel erst gar nicht dokumentieren konnte und gerade im Hospital liegt, gefahren mit dem einzigen verfuegbaren Krankenwagen, sorgte natuerlich fuer reichlich Zuendstoff. Jedes Mal wenn Ezekiel jetzt im Stadion fuer die Zeitung unterwegs ist, machen die Angestellen ihre Spaesse mit ihm. Streng nach dem Motto: „Auf der Baustelle immer Helme auf!“
Da Ezekiel um 4 Uhr seinen Arbeitstag beginnen muss, verkruemeln wir uns noch fix in ein Internetcafe, um anschliessend mit Matias die Route fuer die kommenden 4 Tage zu planen. Leider bekommt Matias kein Auto fuer den Trip nach Salta. Das Auto von seinen Eltern ist in der Werkstatt und die Alternative ist zu altersschwach fuer die harte Strecke. Ein Mietwagen muss her. Nach endlosen Telefonaten hat Matias endlich einen kleinen Suzuki auftreiben koennen. Der Preis ist ganz okay, aber der Vertrag dafuer so dick wie die Bibel.
Grobgefasst ist unser Plan mit Matias bis Samstag Salta zu erreichen, dort alleine per Bus nach Chile weiterzureisen, um uns dann Freitags wieder mit ihm in Jujuy zu treffen. Er kann leider nicht wie urspruenglich geplant an einem Stueck mit uns auf Tour, da er Montag bis Mittwoch seine Pflichten an der Uni erfuellen muss. Nach Jujuy fahren wir wieder zurueck nach Tucuman, huepfen fuer 4 Tage nach Iguazu und sind die letzten beiden Tage wieder in Buenos Aires. Zwei bis drei unbekannten Konstanten liegen zwar immernoch im Raum, aber es wird schon irgendwie funktioneren. Morgen frueh besorgen wir die Bustickets nach Chile. Der Wecker wird um 8 Uhr klingeln.
Natuerlich gab es um 22 Uhr wieder reichlich gutes Essen und unser erstes argentinisches Eis. Angeblich soll dieses ja, nach dem italienischen, das beste Eis der Welt sein. Moment… ich schmecke nochmal kurz nach. Jau, stimmt definitiv. Es wird im Uebrigen nicht wie bei uns als Kugel serviert, sondern kunstvoll auf das Hoernchen gespachtelt. Turmhoch. Eine Augenweide.
Beim Abendessen lernen wir noch Danielas Freundin aus Peru kennen. Die argentinische Siestatreue und die daraus etwas merkwuerdigen Oeffnungszeiten sind ihr allerdings auch etwas suspekt. Michi und Matias haben sich erneut hoffnunglos verpanst. Wenn wir noch eine Woche laenger in Tucuman bleiben sind wir entweder Alkoholiker oder 200 Kilo schwerer.
Herrlich morgen beginnt unser „Long Way round“. Ich kann es kaum erwarten. Michi, Mati, ich und die Elemente. Vamos!