25. Dezember – Im Bus nach Bangkok

Aufbruch, Abflug, das war es. Ciao Ko Lanta. Es war einfach zu schön. Mit schwerem Herzen schleifen wir unsere Rucksäcke zur Rezeption. Vor uns auf dem Boden räcken noch ein paar Strandhunde müde ihre Knochen. Hier ließe es sich noch spielen etwas länger aushalten, aber leider läuft uns die Zeit davon. Nach weiteren 3 Wochen würde uns allerdings die Loungemusik mit Sicherheit das Hirn fritieren.

Eine halbe Stunde zu früh steht der Fahrer unseres Pickups auf der sprichwörtlichen Matte. Was der Bedienung im Bee Bees fehlt, haben die Herren der örtlichen Transportmittel in Hülle und Fülle: Zackigkeit. Der Minivan ist wie immer bis auf den letzten Platz gefüllt. Kein Stauraum, der nicht ungenutzt bliebe. Ich fahre das erste Mal mit einer Autofähre. Ein sehr beklemmendes Gefühl, im Auto zu bleiben während der olle Kahn im Schneckentempo auf die andere Seite übersetzt. 2 Mal das Ganze. Neben unserem Pickup wartet ein Fahrer nicht auf das Okay des Fährmanns und steuert seinen Geländewagen etwas voreilig an Land. Ein harter Aufsetzer, die Funken fliegen. Er hat dieses Manöver wohl nicht zum 1. Mal versucht. Der Rest des Wagens ist von Beulen und Rostflecken übersäht. Wer es eilig hat, nur zu.

Wir sind viel zu früh am Busterminal in Krabi und haben somit genügend Zeit dieses offenkundig verkannte architektonische Meisterwerk ausgiebig zu würdigen. Alles ist dermaßen Marode, verdreckt und verstaubt, das es fast schon wieder kultig wirkt. Elektrische Kabel baumeln lose von der Decke und wurden phantasievoll verlegt. Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit britzeln und brutzeln die Kondesatoren. Vor uns kauert die wohl älteste Bulldogge der Welt. Alles an dem alten Knochen ist krumm, das Fell zerruppt, der Gang schleppend. Einzig die umher streunenden, jüngeren Bulldoggenkollegen beweisen, dass unser alter Rochen hier einst ein ganz großer Hecht war

Stunden später. Wir werden mitten in der Pampa aus unserem liebgewonnenen Schlafwagen geworfen. „Umsteigen, anderer Bus, schnell, schnell, schnell…“ Schnell ist hier in Thailand allerdings ein sehr dehnbarer Begriff. Wir warten nun schon seit gut 1 1/2 Stunden. Mit uns dämmert eine Familie, inklusive Kleinkind, die eigentlich auf dem Weg nach Ko Tao sind. Später treffen wir die drei wieder. Diesmal in Bus Nr. 3. „Wir fahren wohl doch über Bangkok, was für ein Umweg.“ Wir vermuten scherzhaft, dass die Thais den Bus wohl auch als Multifunktionsvehikel einsetzen würden. Ob nun Bus, Fähre oder Flugzeug, das Ding könne alles. Zur Not bauen wir die Kiste in 2 Stunden halt zu einem Amphibienfahrzeug um.  Stunden später müssen die 3 ein weiteres Mal umsteigen. Die Fähre nach Ko Tao wartet. Es ist 0:30. Das Kind ist berechtigterweise nicht in der allerbesten Stimmung. Viel Glück.

4 Uhr Nachts. Es treten auf: Hobbi, Tobbi und das Fliwatüt. Wir befinden uns mittlerweile im richtigen Bus. Beste Backpacker Schleuder. Keinerlei Sicherheit, keinerlei Service. Absolut schmerzfreie Belegschaft und Kundschaft. Vor uns bemalen sich ein paar friedliebende Hippies die Gesichter, Arme und Oberkörper mit Hennafarben. Bei voller Fahrt und dank Einsatz mehrerer Schlaglöcher sieht das Ergebnis dementsprechend knallig aus. Ganz großes Tennis. Während Hobbi noch Tobbi die Dreadlocks aufbürstet und die letzten Härchen verzwirbelt, schlurft das Fliwatüt ohne Flip Flops zum Urinal. Ich vermute Mal das jegliche Fusspilze bei unserem Kollegen hier im Dauerkoma liegen, anders kann ich mir die Abgebrühtheit nicht erklären. Auf dem Rastplatz klaue ich mir im sogenannten Restaurant die Tischservietten, es steht ein größeres Projekt an. Als ob die Klofrau schon wüsste was sie erwartet ernte ich strafende Blicke. Vor dem Rastplatz pinkelt der obligatorische Hund, inklusive T-Shirt, einer Backpackerin auf die Füße. Soviel Zeit muss sein. Im gebührenden Abstand steht ein Trucker, schlaftrunken und beobachtet die Szenerie. Eine Hand zielsicher in der Hose, wohl auf der Suche nach den königlichen Kronjuwelen. Falls er auf Gold stoßen sollte, ich hätte da noch etwas Platz im Rucksack.

Wir fahren wieder weiter. Falls wir jemals heil in Bangkok ankommen sollten und wir noch all unser Gepäck haben, mache ich drei Kreuze. Heureka.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.