
Zombie-Filme sind wirklich nicht mein Genre. Wenn ich eine Horde rennender Vollpfosten sehen will, reicht mir der Sommerschlussverkauf in Trier. Und mit roten Augen habe ich als Allergiker ohnehin meinen ganz eigenen Rage-Modus.
Aber wenn Boyle und Garland rufen, muss ich das Ticket lösen. Gerade wenn die beiden nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder ihre Ströme kreuzen.
Die beiden sind ja nun wirklich nicht dafür bekannt, bei ihren Projekten auf Nummer sicher zu gehen.
Sei es auf inhaltlicher Ebene:
Charakterentscheidungen, Twists, Auflösungen, diese absoluten „Bidde, was machen die jetzt?! Das?! Ohhhhh…“ – Momente (Ex Machina, Annihilation, Sunshine).
Oder auf technischer Ebene:
Visuelle Kniffe, Schnitt, Musikauswahl. Ich hab Freunde, die leiden heute noch unter „Jai Hoooooooo!“
Das klappt mal besser, mal schlechter.
28 Years Later ist meiner Meinung nach ein Volltreffer.
Look, Schnitt, Tempo, Sound: die beiden erschaffen eine morbide Schönheit mit Bildern, wo es eigentlich keine geben dürfte. Klar, wer will, findet auch hier Logikbrüche oder fragwürdige Setups. Aber nichts davon hat mich während des Films gestört. Der Flow ist traumhaft und wenn der Dampfhammer fällt, dann ordentlich.
Er hat mir wesentlich besser gefallen als Teil 2, muss aber noch zeigen, ob er an Teil 1 mit der Zeit vorbeiziehen kann.
Aaron Taylor-Johnson hat mich nicht völlig überzeugt, dafür waren Jodie Comer, Ralph Fiennes und vor allem Alfie Williams umso stärker.
Gerade Alfie Williams macht einen unfassbar guten Job: die Talentscouts in England müssen entweder 1a Minensuchschnuller besitzen oder in den Frühstücksflocken ist ein bis dato unbekanntes Schauspieler Supplement versteckt.
Je weniger man über die Handlung weiß, desto besser. Ich war heilfroh, dass ich mir Promo-Clips und Interviews erst danach angesehen habe.
Ich freu mich jedenfalls derbe auf die beiden angekündigten Fortsetzungen. Das Setup ist auf jeden Fall amtlich.