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13. Dezember – Krabi

Ahhh, ausgeschlafen. Kein Wecker. Kein Termin. Keine Klimaanlage. Gut das wir beide einen Seidenschlafsack dabei haben. Einerseits haelt er die fiesen Bettwanzen auf Distanz, andererseits bewart er das noetige Deckengefuehl. Wir schlafen tief und fest. Nichmal Kleinkinder schlafen so gut.

Gemuetlich tapsen wir gegen 10 Uhr zum ausgiebigen Fruehstueck. Katja hat schon ein Menue ihrer Wahl. Besser kann es fuer sie gar nicht laufen. Ein Baguett mit Ei und Huhn, leckeren Tomaten und Gurken (kein Vergleich zu dem Zeugs aus Holland), ein ordentliches Dressing dazwischen, das Brot leicht getoastet. Ich schiele verstohlen auf meine zwei Toastscheiben. Das naechste mal verabschiede ich mich mal vom American Breakfast. Dazu gibt es Bananen, Melonen und Ananas, fein geschnitten und mit milden Yoghurt verfeinert. Ich hab Katja versprochen daheim in Trier jeden Sonntag zum Markt zu tiegern, die Fruechte herzukarren, alles zu entkernen, zu schneiden und fein anzurichten. Ich bezweifel das mir das einmal gelingen wird. Hier kostet das Ganze nichtmal 2 Euro.

Heute werden wir erst einmal in aller Ruhe unsere weitere Route planen, den Blog pflegen und den Rest einfach auf uns zu kommen lassen. Draussen tapst gerade ein alter Mann vorbei, von seiner Frau gestuetzt. Die gute Seele unseres Gasthauses geht nach draussen und spendet ein paar Baht. Um den Hals des Mannes baumelt ein alter Regallautsprecher, sammt Miniverstaerker und angeschlossenem Mikrofon. Die Autobatterie auf dem Ruecken. Inbruestig schmettert er lokale Volkslieder. Ich spende 20 Baht. Katja stoebert in dem Laden nebenan nach einem netten Schmoeker. Ich haemmere derweilen in die Tasten. Imernoch keine Nachricht von den beiden aus Wales. Schade. Ich liege im Blog gut eine Woche zurueck. Katja zeigt mir stolz ihre neue Errungenschaft. Die Erstausgabe von Gibsons Sci-Fi Klassiker “Neuromancer”. Ganz grosses Tennis! Einrahmen, das Teil muss den Trip ueberstehen. Sobald ich auf Ko Lanta ein wenig Zeit habe, werde ich mir den Schmoeker auch mal zu Gemuete fuehren.

Spontan entscheiden wir uns die Planung der Route am Strand von Ao Nang auszuklabuesern. Ein ploetzlicher Regenschauer verzoegert das Ganze ein wenig. Die Zeit ueberbruecken wir mit einem Tipp von Juergen. Vor ein paar Tagen hatte er ein nettes, kleines Cafe entdeckt, in dem man wirklich guten Kaffee schluerfen koennte. Nach mehreren Tassen des edlen Gebraeus koennen wir das auch doppelt und dreifach unterstreichen. In der Regel bekommt man hier nur Mikrotassen oder braunes Wasser ohne jegliches Aroma, aber die Jungs hier haben es echt drauf.

Wir starten einen letzten Versuch mit dem Pritschenwagen Richtung Ao Nang. Das Prinzip ist einfach: An eine Hauptkreuzung stellen, warten bis ein weisser Pickup mit der Aufschrift “Ao Nang – Krabi” vorbei schlurft, aufspringen und etwas warten bis der Wagen bis zum letzten Platz gefuellt ist. Das kann schon ein paar Minuten und 3-4 Runden um diverse Blocks dauern. 20 Kilometer sind zu ueberbruecken. Zwischendurch springen noch ein paar Schueler auf die Laderampe. Alle sind gekleidet in urige Schuluniformen: Faehnchen Fieselschweif hier, das mobile Rote Kreuz dort, andere sehen aus wie kleine Buschpiloten. Das die Kinder hinten sich locker mit einer Hand festhalten, waehrend der Pritschenwagen mit 90 ueber Stock und Stein hollert, scheint keinen weiter zu stoeren. Eine aeltere Dame bemueht sich aber liebevoll alle Taschen und Ordner der Kinder unter den Holzbaenken zu verstauen. Wer aussteigen will betaetigt einfach kurz eine Klinge. Es folgt eine Vollbremsung, bezahlt wird brav vorne beim Beifahrer.

Als wir den Strabd von Ao Nang erreichen sind wir positiv ueberrascht. Fast keine Menschenseele weit und breit. Es herrscht Ebbe, 500 Meter Strandaufwaerts spielen ein paar Thais und ein Englaender Fussball. Der Himmel ist seit einer Stunde wieder wolkenlos und zeigt sich von seiner besten Seite. Fuer einen “Mallestrand der uebelsten Sorte” sieht es hier gar nicht so uebel aus. Wir waten gemuetlich den Strand entlang und Enden wie so oft in einem leckeren Restaurant, direkt am Meer. Wie auf Kommando zirpen 100 von, nun… was auch immer von den Baeumen.

Da bereits ab 8 Uhr kein Pritschenwagen mehr nach Krabi zu ergattern ist, nehmen wir ein Taxi. Die Sonne geht hier schon um 18 Uhr unter, gegen 18:30 ist es bereits zappenduster. Unser Taxifahrer spielt erst die Eagles mit “Take it easy”, gefolgt von “Hotel California” und anschliessend “Fast Car” von Tracy Chapman. Das passt wie die Faust auf’s Auge. Bring uns nach Hause Taximann.

Dort angekommen treffen wir auch wieder am Juergen. Er hat endlich einen ordentlichen MP3 Playerersatz gefunden. Nun fehle ihm nur noch die passende Musik. Katja meint wir koennten ihm bestimmt mit dem ein oder anderen Schmankerl aushelfen, bei Andrea Berg muessten wir allerdings passen. Sprachs und verschwanden in einem Internetcafe. Ah, was sehen meine mueden Augen, ein Lesegeraet fuer meine defekte Speicherkarte. Software darf installiert werden. Ich fackel nicht lange und versuche die defekte CF Karte von meiner Kamera auszulesen. Katja und Juergen gehen schonmal in den Pub neben an. Es spielt eine Liveband. Diese zuppeln allerdings eine so unverschaemt gute Version von “Freebird” das ich bei 40% decodierung meinen Rettungsversuch abbreche und flux die Oertlichkeit wechsle. Die Daten sind zu retten, die Info reicht mir voll und ganz, hier wurde es einfach zu lange dauern. Lieber gute Musik und ein kuehles Bier. Das sowas mal aus meinem Mund kommen wuerde.

Donnerwetter, wir haben Niros Vater gefunden. Er spielt Bongos, traegt eine Sonnenbrille und laesst sich Antennen aus der Muetze wachsen. Snoop Dogs aelterer Schwippschwager. Die Thaicombo ist so gut das wir um halb 2 erst merken wie spaet es schon ist. Ich muss dazu sagen das halb 2 hier schon ultra spaet ist, in der Regel liegen wir schon um 10 oder 11Uhr in der Falle. Muede und abgekaempft. Aber die Jung hier, die bringen selbst Lahme zum gehen. Jeder durfte mal ans Mikro oder sich mit Zauselfredi um die Bongos pruegeln. Nur ZZ TOP mit “La grange” habe ich vermisst und das will was heissen.

Morgen geht es nach Railey Beach, einer der angeblich schoensten Straende in Thailand. Um 7 Uhr klingelt der Wecker und um 9 Uhr legt die Faehre ab. So, Schicht im Schacht… und noch ein Solo! Stefan und Michi, das hier haette euch bestimmt gefallen.

12. Dezember – Krabi

“Mama Mia, Mario. Was habe du fuer komische Schluckauf?”

Seit Stunden verfolgt mich ein hartaeckiger Schluckauf. Das Essen war einfach wieder zu gut. Oder zu viel. Oder beides. Da wir jetzt nicht mehr in den vorgegebenen Terminen von T.A.T. unterwegs sind, hatte ich zu Anfangs etwas mit Entzugserscheinungen zu kaempfen. So ein ganzer Tag ohne eine einzige Tour, ein Ziel, einer Richtung. Das war schon etwas ungewohnt. Um den schleichenden Entzug etwas zu erleichtern haben wir heute die in dieser Gegend wohl bekannte “James Bond” Tour auf dem Programm. Diese hat ihren Namen von einem putzigen kleinen Felsen, der wie ein Nagel aus dem Wasser ragt und irgendwann mal in den Siebzigern in dem James Bond Streifen “Der Fiese mit dem putzigen Colt” zu sehen war. Morgens im Bus lernen wir Juergen kennen, ein wirklich netter Landesgenosse. Siemensianer, aufgrund seines defekten Mp3 Players doppelt gestraft, aber mit reihenweisen Globetrottergeschichten gesegnet. Wir lauschen andaechtig und verkuerzen so spielend die obligatorische Fahrzeit. Unser 1. Stop fuehrt uns zur “Monkey Cave”, der Affenhoehle, eine in 4 Abschnitte eingeteilte Grotte, die einen riesigen, liegenden Buddah beherbergt. Dazu noch mehrere Affen und eine bewohnte Fledermaushoehle. Alles frei begehbar und schoen schummerig beleuchtet. Sehr zu empfehlen.

Das Wetter zeigt sich heute von seiner besten Seite. Gestern Abend sagte uns die Gasthausbetreiberin, die im uebrigen aussieht wie Michel Yeho aus “Tiger and Dragon”, dass seit gut einer Woche jeden Abend heftige Regenfaelle gewesen waeren. Wir scheinen heute ordentliches Glueck zu haben. Der Himmel haelt, die Sonne strahlt, so kann es bleiben.

Spaeter fahren wir zum aller ersten Mal am Meer, inklusive Strand, vorbei. Und das nach gut 2 Wochen in Thailand. Juergen kann es kaum glauben. Leider hat der Strand in dieser Gegend eher Mallorcaflair, aber bei weitem nicht so schlimm wir es im Reisefuehrer beschrieben ist. Dort wird unter Ao Nang vermerkt: Wer schnorcheln will sollte damit rechnen etwaigen Longtailbooten als Pistenmarkierung zu dienen. Tatsaechlich sehen wir duzende Boote den Strand auf und ab donnern. Wer Ruhe und Erholung sucht ist hier sichtlich fehl am Platz.

Nach ein paar Kilometern wechseln wir vom Jeep in eines jener Longtailboote. Eine wacklige Angelegenheit kann ich euch sagen, das ein oder andere Mal hatten wir ordentlich Schlagseite. Ploetzliche Gewichtsverlagerungen, freudensspruenge oder Yogauebungen jeglicher Art solle man vermeiden. An Bord fahren wir an den fuer diese Gegend typischen Karstfelsen vorbei. Wie ueberdimesional grosse Patronen ragen die Dinger, ordentlich begruent, aus dem Wasser. Ich wundere mih wie bei diesen Neigungsgraden ueberhaupt ein Baum an der Felswand halten kann. Aber was soll ich sagen: 80 % der Flaeche ist meistens ueppig bewachsen. Nun, einer der beruehmtesten Karstfelsen ist eben jener “James Bond Felsen”, eigentlich “Kao Tapoo” genannt. Der Onkel liegt gut geschuetzt in einer kleinen Bucht, flankiert mit duzenden Souvenierstaenden und aberhunderten Japanern, die sich gegenseitig mit Motivfotos ueberbieten. Kein Felsvorsprung, der nicht fuer Posen genutzt werden koennte. Die Englaender sind derweilen wiedereinmal besoffen und tapsen mit der Kippe in der Linken und dem Handy in der Rechten durch die kleine Bucht. Neben uns kommt nun auch endlich das russisch/thailaendische Doppel an. Sie mit Flip Flops unterwegs und vor einer Minute erst das Gehen gelernt, er steinreich und ultra tapsig. Die beiden benoetigen eine Ewigkeit um den etwas anspruchsvollen Hinweg zu meisten. Jedes Kleinkind waere aus Mangel an Herausvorderung an Unterzuckerung gestorben, aber fuer das Maedel war es die reinste Qual.

Sei es drum. Katja, ich und Juergen hatten unseren Spass. Auf dem Rueckweg hielten wir noch bei einer muslimischen Bootsiedlung. Die Gemeinschaft lebt schon seit mehreren hundert Jahren mitten auf dem Meer und hat sich inzwischen bestens auf die taeglichen Touristenstroeme eingestellt. Es gibt sogar eine eigene Moschee. Puenktlich ertoent der Muezzin. Der groesste Teil der Siedlung ist natuerlich purer Touristen Nepp. Am Pier angekommen muss man durch 3 riesige Restaurants die ihren fangfrischen Fisch zu absoluten Mondpreise anbieten. Dies setzt sich bei den sich anschliessenden Troedel- und Souvenirlaeden nahtlos fort. Hier zahlt man locker den 4-6 fachen Preis als am Festland.

Als wir gerade so durch die engen Gassen schleichen schmeisst mir eine alte Frau urploetzlich ihren dressierten Affen auf die Brust. Das ganze ging so fix und unerwartet, dass ich mich ordentlich erschreckte, zumal der Affe zielsicher nach meiner Muetze und anschliessend nach der Kamera griff. Haette ich in diesem Moment ein Foto von den beiden gemacht, ich halte jede Wette, einer haette bestimmt die Hand ausgestreckt und 20 Baht fuer die Aktion verlangt. Ach was, der Affe nimmt locker 100 Baht.

So langsam geht auch schon die Sonne unter, wir machen uns auf den Rueckweg. Ausgehungert und durstig wie die Kaelber, lassen wir es uns mit Juergen in einer urigen Kaschemme schmecken. Mein urspruenglicher Plan abends ausgiebig den Blog auf Vordermann zu bringen wird leider vereitelt, da hier in Krabi die meisten Butzen schon um 22 Uhr die Buergersteige hochklappen. Morgen ist auch noch ein Tag, dann muss das Klavier dran glauben. Na dann mal toe!

11. Dezember – Krabi

Sagte ich “naechster Stopp”? Fast korrekt, wir hatten ja noch unsere wundervollen Essensgutscheine. 4 Uhr morgens haelt der Bus an einer Art Truck Stop fuer Thais. Keine Siedlung in Sicht. Am Eingang tront eine Ganesha Statue. Muede tappsen wir durch die Vorhalle und werden in einen etwas versteckt gelegenen Speisesaal gefuehrt. Beste Plastikbestuhlung, gruenliche Neonbeleuchtung, es summen mehrere baufaellige Deckenventilatoren. Auf den Tischen stehen undefinierbare Nahrungsmittel und fuer jeden ein Schuesselchen mit lauwarmer Reissuppe. Sehr lecker. Ich garniere den Reis im Halbschlaf mit gesalzenen Eierscheiben und versuche zumindestens die Haelfte zu essen. Katja geht die Sache vorsichtiger an und haelt sich an den Reis und garniert es vorsichtig mit Kohl. War es Kohl? Ach, runter damit. Unser Tischnachbar, Marke “Crocodile Dundee aus Thailand – nur echt mit Hut”, pfeift sich so gut wie alle Beilagen in windeseile rein,  anschliessend tippt er laessig seinen Hut, gruesst fix in die Runde und macht sich dann auf und davon. War der Vogel mit uns im Bus?

Etwas spaeter: die aus “James Bond – Der Mann mit dem goldenen Colt” bekannten Karstfelsformationen tauchen aus dem Morgennebel auf. Die Landschaft ist atemberaubend schoen. Vollkommen anders als das was wir bisher sehen durften. Der Reisefuehrer listet auf: …Paradies fuer Taucher und Freeclimber.  “Krabi! Krabi!” hollert es durch den Bus. Wir sind endlich da. Nach 14 Stunden. Draussen die ueblichen Schlepper. “Sir, Sir! Railey Beach?” Es folgen ueberteuerte Preise und noch mehr Schlepper. Wir halten uns an den Pickup, in dem bereits Crocodile Dundee sitzt. 20 Baht (40 Cent) bis ins Zentrum von Krabi. 15 Kilometer, na dann mal los. Harte Pritschenwagen kennen wir ja jetzt schon zu genuege. Mit jedem gefahrenen Kilometer und jeder verstreichenden Minute steigt die Temperatur merklich an, schliesslich haben wir erst 7:20 Uhr. Das Klima ist wesentich schwueler als noch z.B. in Bangkok. Dafuer ist die Luft wesentlich besser. Wir blaettern kurz im Lose und picken uns eine nette Bleibe heraus. Aha, das Chanchalai, wir ergattern das letzte freie Zimmer. Bad auf dem Flur, kein AC. Dafuer ist alles Tip Top, gleich das Fruehstueck setzt neue Massstaebe. Gleich am Abend verlaengern wir das Ganze um weitere 2 Naechte und buchen die viel versprechende “James Bond Tour”. Tagsueber haben wir erstmal ganz gemuetlich die Stadt erkundet. Stadtbummel bei 34 Grad und 99 Prozent Luftfeuchtigkeit. Ueber den Nachtmarkt geschlendert und einem tropischen Regenschauer bei seiner Arbeit zugesehen. In einem ueberdachten Cafe kann das auch mal ganz romantisch sein. Etwaige Anfragen von uebereifrigen Schleppern beantworten wir zu 50 Prozent ehrlich, sprich: wir sind heute fuer eine Tour zu muede und haetten bereits bei seinen Kollegen 2 Touren fuer die kommende Woche gebucht. Das wirkt wahre Wunder. Ein Mal T.A.T. Bangkok und man ist saniert.

Allright Miss Moneypenny, einen Martini. Geruehrt und geschuettelt.

10. Dezember – Im Bus nach Bangkok

Heute werden wir ordentliches Sitzfleisch benoetigen. 14 Stunden non-stop Dauerfeuer. 2 Busse, 2 Anschlussverbindungen, 1 Stunde und 30 Minuten Puffer. Koennte knapp werden, sollte aber reichen. Wir kreuzen die Finger.

Die Karaokevideos auf Thai sind schonmal eine willkommene Abwechlung. Die Aufmachung, die Geschichten, die Arrangements. Einfach weltklasse, zum wegschiessen. Meistens jault bzw. schmachtet ein Junger Fischersjunge, Bauarbeiter oder Barbesitzer einer laengst verflossenen Liebe hinterher und verliebt sich dann doch in eine Andere. Diese hat er vorzugsweise mit dem Auto angefahren, mit dem Fischernetz versehentlich aus den Fluten gezogen oder bei einer durchzechten Nacht im Gulli gefunden.

Die ganz harten Burschen haben dabei meistens noch eine Flasche Chang Bier, besser noch eine ordentliche Pulle Whiskey mit Gardemass in der Hand. Die gerettete, ueberfahrene oder herausgezogene bietet ihrem Helden draufhin natuerlich einen zuenftigen Schluck Wasser oder auch Milch an. Der Rebellische unter den Helden lehnt immer muerrisch ab. In 9 von 10 Faellen folgt eine “mein Hemd weht so schoen im Wind Szene” die von Monsunregenfaellen komplettiert wird. Der Aufwand fuer die diversen Videos schwankt dabei gewaltig. Ein 50 Cent Verschnitt z.B. muss sich lediglich mit 2 Kameraeinstellungen vor einer schlechten Suedseetapete begnuegen. Dafuer haben alle Videos eins gemeinsam: Ein Maedel muss am Ende immer den Loeffel abgeben und der Hauz schluchzt unter der 1×1 Meter Sprenkelanlage. Wunderbar, gebt uns die volle Packung. Auf nach Bangkok.

20:45 Uhr. Wir haben es tatsaechlich den Bus nach Krabi erwischt. Ich meine, wir sitzen wahrhaftig drin. Haette mich vor 10 Minuten jemand gefragt, wie die Chancen stehen, ich haette ihn schallend ausgelacht und mich mit den Treckingrucksaecken aus dem Taxi gerollt.

Ein kleiner Sprung zurueck: 19:30 Uhr, unser Bus aus Sukhothai quaelt sich durch den allabendlichen Feierabendverkehr in Bangkok. Ein Wahnsinn. Nach und nach steigen die Fahrgeaste an nicht auszumachenden Terminals aus. Ich frage den Busschafner wann wir fuer das Suedterminal aussteigen muessen. Unser Anschlussbus wurde um 21 Uhr abfahren und wir haetten noch keine Tickets. Er runzelt die Stirn und ringt nach Worten, kein Englisch. Er verschwindet Wortlos im Bauch des Busses auf nimmerwiedersehen. Ist da unten nicht ausschliesslich das Gepaeck? Na, er wird schon seine Gruende haben nicht mehr aufzutauchen. Ha! Das muss es sein, sieht wichtig aus, die Groesse des Terminals koennte stimmen. Schnell die Sachen geschnappt und raus aus der Kiste. Suedterminal? Krabi? Wer kann helfen? Wir wecken offensichtlich das Interesse eines lauernden Schleppers. Immerhin weiss er das das Suedterminal fuer Krabi 40 km ausserhalb liegt. Ob wir fuer 600 Baht ein Taxt nehmen wollen. Das Taxameter bliebe natuerlich aus. Zwecks Mangel an Aternativen gehen wir den Deal ein. Er lotst uns wie vom Teufel verfolgt quer ueber 2 Hauptverkehrsstrassen zu einen seiner Kollegen. Das Taxi wartet schon. Drinnen sitzt ein junger Spunt, nicht der englischen Sprache maechtig und offensichtlich erst neu im Geschaeft. Hin und wieder haelt er an und frgt nach dem Weg. Manche Stellen passieren wir 4 oder 5 Mal. Das “I am Legend” Filmplakat in XXXL kann man nicht uebersehen. Der fluechtige Blick auf die Uhr verraet 20 Minuten bis 21 Uhr. Endlich am Terminal. Den Fahrer ist der Blindflug sichtlich peinlich und er verlangt lediglich den halben Preis. Dies koennte allerdings auch an dem Sicherheitsbeamten neben uns liegen. Alle plappern durcheinander: “Krabi? Krabi?” Der Beamte nimmt uns unter die Fittiche und spurtet mit uns durch die Hallen. Ein Schalter nach dem anderen hat schon geschlossen oder keine Karten mehr, manche schuetteln mittleidig den Kopf. Nun gut, wir sind wirklich viel zu spaet an. Dann, als ich schon nicht mehr damit gerechnet hatte, zwei Tickets nach Krabi. Liegesitze und der Preis geht auch in Ordnung. Waehrend Katja sich um die Tickets kuemmert lotst mich der Beamte noch zur Sicherheitspolizei. Dort werde ich erneut ueber die bekannte Taxiprobematik belehrt. Nie ohne Taxameter. Nie. Ich solle mir das hinter die Ohren schreiben. Keine Zeit, der Beamte scheucht uns wieder die Treppen herunter, durch eine Halle, um 2-3 Ecken und schon stehen wir vor Box 69. Abfahrt Krabi. Er zeigt uns noch den letzten Weg und ist dann verschwunden. Ein kurzer Haendedruck, weg war er. Das ist noch wahres Pflichtbewusstsein. Der Kerl war unsere Rettung. Unser Gepaeck ging noch gerade so in die Ladeflaeche. Touchdown! Nocheinmal alles gut gegangen. Haetten wir es verbockt, muessten wir nun nochmal ein Taxi zurueck in die Stadt suchen, ein Zimmer ordern und am folgenden Tag alles wiederholen. Das waere Plan B gewesen, ich bin froh das wir ihn nicht benutzen muessen. Naechster Stopp: Krabi.

9. Dezember – Sukhothai

Das war’s. Ab jetzt geht nur noch Richtung Sueden. Vorerst keine Touren mehr. Ersteinmal auf den Inseln oder in einem der Staedte im Sueden etwas relaxen.

Umschlag Nr. 4 liegt gerade vor uns. Der Letzte den uns der pflichtbewusste T.A.T Reisebueromitarbeiter in Bangkok in die Hand gedrueckt hatte. “Benutzt mich, reiss micht auf…” das Ding ist jetzt faellig. Im Umschlag: die Bustickets nach Sukhothai, eine Buchungsbestaetigung fuer eine Uebernachtung und eine liebevoll bis zur unleserlichkeit verfotokopierte Kopie, einer Kopie, einer Kopie, die mal in besseren Zeiten eine Umgebungskarte der Ruinen von Sukhothai darstellen sollte.

Sukhothai ist eine der schoensten Ruinenanlagen in ganz Thailand, verteilt auf 4 Quadratkilometern und hervorragend zu Fuss zu erkunden. Ganz hastige mieten ein Fahrrad oder ein Moped. Abends wird die ganze Anlage sehr stimmig von Scheinwerfern ins rechte Licht gerueckt. Aehnlich der verfallenen Tempelanlagen in Ajutaja, nur diesmal etwas kompakter und nicht so weitlaeufig verstreut.

Auf dem Weg nach Sukhothai goennen wir uns im Bus noch eine ordentliche Muetze Schlaf. So gut man es halt in einem Bus moeglich ist. Der Fahrer ist heute wieder besonders motiviert. Die Achslage ist ordentlich kipplastig und die Stossdaempfer hoeren sich an, als wuerden ganze Steine darin werkeln. Er muss alle paar Sekunden merklich ruckartig die Spur korrigieren um nicht in den Gegenverkehr zu geraten. Meine Gebete sind mit ihm. Ich schau einfach nicht mehr in den Gang. Ist vielleicht gesuender.

Wir sind zum ersten Mal die einzigen Langnasen im Bus. Hinter uns sitzt ein Moench, neben uns zwei vom thailaendichen Militaer. Eine herrlich bunte Mischung. Genug Material um die Leute zu studieren.

Gegen 4 Uhr kommen wir endlich in Sukhothai an. Der Bus haelt praktischer Weise direkt vor unserem Gaestehaus. Fix die Schuhe ausgezogen und das neue Zimmer inspiziert. Sehr angenehm hier. Wenig troubel, kaum Besucher. So riesig ist die Stadt ja auch gar nicht. Wir befinden uns in der Altstadt. Dort gibt es eigentlich nur noch die alte Tempelanlage, ein paar Gaestehauser und jede Menge Nippesbuden.

Ehe wir zu der Anlage aufbrechen nehmen wir ausgiebig das Fruehstueck nach. Endlich wieder was ordentliches zu essen. Das gibt heute eine doppelte Portion. Katja faellt ein das dieses Jahr hier eine japanische Touristin ueberfallen und erstochen wurde. Sehr erbaulich. Wir nehmen uns vor nicht allzulange nach Sonnenuntergang in den Ruinen herum zu stromern und nicht unnoetig ein Tuk Tuk zu benutzen.

Trotzdem nehmen wir uns alle Zeit der Welt, wir haben massig Spielraum. Der Sonnenuntergang und die sich anschliessende Beleuchtung der Ruinen sind grandios. Wir bummeln gemaechlich durch die Anlage. Nichtmal die Stechmuecken koennen uns so richtig aus der Ruhe bringen.

Am Himmel faellt uns ein merkwuerdiges Sternzeichen auf. Erst nach einer Weile erklaeren neu aufsteigende Kerzenballons die unbekannten Flugobjekte. Herrlich. So ein Abend ganz ohne Tempo ist auch mal ein Muss.

Morgen geht es mit Grossen Schritten weiter in Richtung Sueden. Unser Plan: Direkt im Anschluss an unsere Busfahrt nach Bangkok den Nachtbus nach Krabi nehmen. Wir haben 1 1/2 Stunden Zeit um von Nordterminal zum Suedterminal zu kommen. Das Ticket muessen wir uns allerdings noch vor Ort besorgen. Ein netter alter Herr im Gaestehaus, der selber aus Bangkok stammt, macht uns Mut. Es waere schliesslich kein Wochenende und Bustickets seien immer zu haben. Einziges Manko: der Feierabendverkehr. Er notiert uns noch den Namen des Terminals auf Thai und wuenscht uns eine schoene Reise.

Na, wenn wir die Tickets versemmeln sollten bleiben wir halt noch einen Tag in Bangkok. Das waere Plan B. Nur keine Hektik, es wird schon irgendwie klappen. Die Adresse von unserem ersten Guesthouse haben wir ja schliesslich auch noch in der Tasche. Good night everyone.