18. Dezember – Ao Sane

Unsere 1. Nacht am Strand. Das Rauschen der Brandung als staendiger Begleiter. Sollte eigentlich fuer sofortigen Schlaf garantieren. Handflaechen grosse Heuschrecken und sich an der Wand entlang schlaengelnde Geckos sind wir mittlerweile gewohnt. Unser eigentlicher Feind: Nicht herstellbarer Luftzug. Das Fenster hatten wir erst viel zu spaet geoeffnet und der Ventilator versagt dank Moskitonetz seine Wirkung. Da kommt nichts durch. Nicht eine Idee von Lufthauch. Ich wusste tief in der Nacht wegen der angestauten Hitze nicht mehr wo ich eigentlich aufhoere und wo die Luft anfaengt, wir waren eins. Quasi eine kosmische Erfahrung. Ich haette allerdings auch drauf verzichten koennen. Irgendwann sind wir dann doch eingenickt.

Ein neuer Tag, eine neue Tat. Heute galt es die neu erworbene Schnorchelausruestung zu testen. Bestes Material fuer 250 Baht. Und das beste: Direkt vor der eigenen Haustuere. Wir waren erstaunt wieviel Korallen und Fische wir bereits in allernaechster Strandnaehe fanden. Gestern sind wir noch tapsig darauf herumgelaufen, heute setzen wir jeden Fusstritt ins seichte Gewaesser mit bedacht. Die Chance eine Koralle zu treffen ist groesser als nur entfernt angenommen. Katja und ich sind schwer begeistert. Das wird nicht der letzte Schnorchelausflug gewesen sein. Seeigel, Anemonen, Seesterne, kleinere und groessere Fischschwaerme, alles ist vorhanden. Einfach herrlich.

Nachmittags machten wir uns auf den Weg zum Leuchtturm. Von dort aus soll man einen guten Ausblick auf die ganze Bucht und den Sonnenuntergang haben. Der genaue Weg ist zwar nicht beschrieben, aber wir werden es schon finden. Fix ein paar Liter Wasser besorgt und es konnte losgehen. Die Abkuerzung ueber einen Strand war vergeblich. Der wurde von einem Berg ohne Kraxelweg abgeschnitten. Er ist zwar nicht sehr hoch und steil, aber leider nicht begehbar. Der Besitzer eines kleinen Strandrestaurants verweist uns auf einen kleinen Trampelpfad, querfeldein durch den Busch. Wir glauben ihm und versuchen unser Glueck. Hier und da weisen weggeworfene Wasserflaschen den Weg durchs Dickicht, dann nach 1 km ist bereits Endstation. Absolut kein durchkommen mehr. Ich verschweige Katja das rings um mich mehrere Spinnennetze mit praechtigen Exemplaren lauern. Sie schlaegt sich derweilen mit einem Schwarm Muecken herum. Wir brechen den Versuch ab. Auf dem Weg nach unten sehen wir auf der gegenueber liegenden Seite ein paar Thais campieren. Ich ueberlege mir folgende Konversation: “ Hach der alte Chang, hat er wieder ein paar Touristen den alten Trampfelpfad heraufgescheucht. Das der das immernoch hinbekommt, ein echter Teufelskerl.“ Die drei grinsen uns zu und verschwinden hinter uns wieder im Dickicht. Wir nehmen ein TukTuk. Der Fahrer muss erstmal geweckt werden. Auf der langen, windigen Strecke wird uns schnell klar, dass es eine absolute Schnappsidee war, den Weg zu Fuss zu versuchen. Zu weit, zu heiss, zu steil, viel zu wenig Wasser. Oben angekommen besuchen wir eine kleine Tempelanlage und versuchen unseren Schwitzdrang unter kontrolle zu bekommen. Wir sind merkwuerdigerweise fix und alle. Erstmal in einem kleinen Lokal verschnaufen. Das einzige hier oben. Den Leuchtturm verschieben wir auf spaeter. Um zu einem Tisch zu gelangen muss ein riseiger, botanischer Garten durchquert werden. Die Jungs verkaufen einfach alles. Kaum haben wir unsere Bestellung aufgegeben zieht eine richtig ueble Regenfront auf. Schlagartig ist es rabenschwarz am Himmel. Wir warten die Schauer im Lokal ab. Puenktliche, eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang, reisst die Wolkendecke auf und es wird wieder glockenklar. Das allabendliche Schauspiel kann beginnen. Ein blutroter Himmel, soweit das Auge reicht. Katja und ich verfolgen das Ganze bei einem White Russian und einem leckeren Chang Bier. Die Musikanlage des Lokals spielt romatische Hintergrundbegleitung. Die Jungs haben wegen der taeglichen Bilderbuchromantik schliesslich einen Ruf zu verlieren. Jesses, haltet die Zeit an. Es ist einfach wundervoll.

Zurueck nach Ao Sane nimmt uns ein altes Thaiehepaar mit, die sich flux ein paar Baht extra als Spontantaxiunternehmen verdienen. Er hat eine ordentliche Ladung Asche im Gesicht, das ist uns schon des oefteren Aufgefallen. Muss wohl was religioeses sein. In unserer Anlage treffen wir auf jede Menge neue Besucher. Anscheinend gerade von den anliegenden Booten, Yachten und Schaluppen angespuelt worden, um hier ausgiebig zu dinieren. Bungalogaeste koennen es auf jeden Fall nicht sein, dafuer gibt es hier nichtmal ansatzweise genuegend Buden. Darunter befinden sich auch viele aeltere Knuddelrochen, so ab 55, die hier wie jedes Jahr ueberwintern wollen. Einer dieser Dauerkunden kam heute an und hat gleich unsere Bude in Beschlag genommen. „Wir kommen seit 20 Jahren hier her, und jedes Mal vergessen sie die Reservierung. Diese Huette nehmen wir jedes Jahr.“ Wir haben dem Umstand gluecklicherweise eine bessere Behausung fuer den alten Preis zu verdanken. Danke nochmals. Wir beobachten die beiden wie, hauptsaechtlich der Mann, Koffer um Koffer in die kleine Bambushuette wuchten. Das reicht fuer ein ganzes Jahr, mindestens. Ich vermute die haben sogar ihre eigene Dusche, inklusive Warmwasserboiler dabei.

Bei einem Glaserl Rotwein und einer jungen Kokusnuss zum schluerfen lernen wir Leni und Anne aus Muenchen kennen. Sehr nette Zeitgenossen, gerade erst angekommen und etwas ratlos. Die eine schon so ziemlich ueberall auf der Welt gewesen, die andere zum allerersten Mal mit dem Rucksack unterwegs. Beide sind auf der Suche nach DEM einen Strand in Thailand. Menschen verlassen, weiss und mit tuerkisblauem Wasser sollte er sein. Na dann mal viel Glueck. Leni ist erschrocken wie dreckig, ueberfuellt und anders hier alles ist. Sie haette sich das irgendwie anders vorgestellt. Na, wenn Geld keine Rolle spielt gibt es den bestimmt noch, irgendwo. Ansonsten kennen die beiden bestimmt „The Beach“ von Alex Garland. Sobald ich die Karte gefunden habe wuerde ich eine Email schreiben. Versprochen. Da wir morgen weiter nach Kao Lak fahren und es dort auch einen schoenen Strand ohne viel Bahei geben soll, wuerde ich ihr Vorort bericht erstatten. So long und good night.  Lasst den Kopf nicht haengen. Alles wird gut.

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