10. Dezember – Im Bus nach Bangkok

Heute werden wir ordentliches Sitzfleisch benoetigen. 14 Stunden non-stop Dauerfeuer. 2 Busse, 2 Anschlussverbindungen, 1 Stunde und 30 Minuten Puffer. Koennte knapp werden, sollte aber reichen. Wir kreuzen die Finger.

Die Karaokevideos auf Thai sind schonmal eine willkommene Abwechlung. Die Aufmachung, die Geschichten, die Arrangements. Einfach weltklasse, zum wegschiessen. Meistens jault bzw. schmachtet ein Junger Fischersjunge, Bauarbeiter oder Barbesitzer einer laengst verflossenen Liebe hinterher und verliebt sich dann doch in eine Andere. Diese hat er vorzugsweise mit dem Auto angefahren, mit dem Fischernetz versehentlich aus den Fluten gezogen oder bei einer durchzechten Nacht im Gulli gefunden.

Die ganz harten Burschen haben dabei meistens noch eine Flasche Chang Bier, besser noch eine ordentliche Pulle Whiskey mit Gardemass in der Hand. Die gerettete, ueberfahrene oder herausgezogene bietet ihrem Helden draufhin natuerlich einen zuenftigen Schluck Wasser oder auch Milch an. Der Rebellische unter den Helden lehnt immer muerrisch ab. In 9 von 10 Faellen folgt eine „mein Hemd weht so schoen im Wind Szene“ die von Monsunregenfaellen komplettiert wird. Der Aufwand fuer die diversen Videos schwankt dabei gewaltig. Ein 50 Cent Verschnitt z.B. muss sich lediglich mit 2 Kameraeinstellungen vor einer schlechten Suedseetapete begnuegen. Dafuer haben alle Videos eins gemeinsam: Ein Maedel muss am Ende immer den Loeffel abgeben und der Hauz schluchzt unter der 1×1 Meter Sprenkelanlage. Wunderbar, gebt uns die volle Packung. Auf nach Bangkok.

20:45 Uhr. Wir haben es tatsaechlich den Bus nach Krabi erwischt. Ich meine, wir sitzen wahrhaftig drin. Haette mich vor 10 Minuten jemand gefragt, wie die Chancen stehen, ich haette ihn schallend ausgelacht und mich mit den Treckingrucksaecken aus dem Taxi gerollt.

Ein kleiner Sprung zurueck: 19:30 Uhr, unser Bus aus Sukhothai quaelt sich durch den allabendlichen Feierabendverkehr in Bangkok. Ein Wahnsinn. Nach und nach steigen die Fahrgeaste an nicht auszumachenden Terminals aus. Ich frage den Busschafner wann wir fuer das Suedterminal aussteigen muessen. Unser Anschlussbus wurde um 21 Uhr abfahren und wir haetten noch keine Tickets. Er runzelt die Stirn und ringt nach Worten, kein Englisch. Er verschwindet Wortlos im Bauch des Busses auf nimmerwiedersehen. Ist da unten nicht ausschliesslich das Gepaeck? Na, er wird schon seine Gruende haben nicht mehr aufzutauchen. Ha! Das muss es sein, sieht wichtig aus, die Groesse des Terminals koennte stimmen. Schnell die Sachen geschnappt und raus aus der Kiste. Suedterminal? Krabi? Wer kann helfen? Wir wecken offensichtlich das Interesse eines lauernden Schleppers. Immerhin weiss er das das Suedterminal fuer Krabi 40 km ausserhalb liegt. Ob wir fuer 600 Baht ein Taxt nehmen wollen. Das Taxameter bliebe natuerlich aus. Zwecks Mangel an Aternativen gehen wir den Deal ein. Er lotst uns wie vom Teufel verfolgt quer ueber 2 Hauptverkehrsstrassen zu einen seiner Kollegen. Das Taxi wartet schon. Drinnen sitzt ein junger Spunt, nicht der englischen Sprache maechtig und offensichtlich erst neu im Geschaeft. Hin und wieder haelt er an und frgt nach dem Weg. Manche Stellen passieren wir 4 oder 5 Mal. Das „I am Legend“ Filmplakat in XXXL kann man nicht uebersehen. Der fluechtige Blick auf die Uhr verraet 20 Minuten bis 21 Uhr. Endlich am Terminal. Den Fahrer ist der Blindflug sichtlich peinlich und er verlangt lediglich den halben Preis. Dies koennte allerdings auch an dem Sicherheitsbeamten neben uns liegen. Alle plappern durcheinander: „Krabi? Krabi?“ Der Beamte nimmt uns unter die Fittiche und spurtet mit uns durch die Hallen. Ein Schalter nach dem anderen hat schon geschlossen oder keine Karten mehr, manche schuetteln mittleidig den Kopf. Nun gut, wir sind wirklich viel zu spaet an. Dann, als ich schon nicht mehr damit gerechnet hatte, zwei Tickets nach Krabi. Liegesitze und der Preis geht auch in Ordnung. Waehrend Katja sich um die Tickets kuemmert lotst mich der Beamte noch zur Sicherheitspolizei. Dort werde ich erneut ueber die bekannte Taxiprobematik belehrt. Nie ohne Taxameter. Nie. Ich solle mir das hinter die Ohren schreiben. Keine Zeit, der Beamte scheucht uns wieder die Treppen herunter, durch eine Halle, um 2-3 Ecken und schon stehen wir vor Box 69. Abfahrt Krabi. Er zeigt uns noch den letzten Weg und ist dann verschwunden. Ein kurzer Haendedruck, weg war er. Das ist noch wahres Pflichtbewusstsein. Der Kerl war unsere Rettung. Unser Gepaeck ging noch gerade so in die Ladeflaeche. Touchdown! Nocheinmal alles gut gegangen. Haetten wir es verbockt, muessten wir nun nochmal ein Taxi zurueck in die Stadt suchen, ein Zimmer ordern und am folgenden Tag alles wiederholen. Das waere Plan B gewesen, ich bin froh das wir ihn nicht benutzen muessen. Naechster Stopp: Krabi.

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