6. Dezember – Chang Mai

Kinder, Kinder, war das eine kalte Nacht. Ruck zuck hatten sich unsere Klamotten und Decken mit Klammheit Kaelte vollgesogen. Alles, aber auch wirklich alles, war klamm bis in den letzten Winkel. Alle paar Stunden versuchte ich das Ganze durch unkontrolliertes Drehen und Wenden etwas zu verbessern. Katja erntete leider nicht eine Minute Schlaf.

Irgendwann gegen 5 Uhr morgens machte sich sie auf den langen Marsch zur Toilette. Sehr spassig das Ganze. Kein Licht, die Taschenlampe nicht zur Hand. Zumal der Eigang zum Schlafraum nur ueber eine sehr klapprige Leiter zu erreichen war. Ich verzichtete daher auf diesen kleinen Ausflug nur zu gerne. Leitern! Ich habe panische Angst vor Leitern und dann noch in der Nacht, ohne Schuhe. Ich sah mich schon mit dem Kopf vorran jede Sprosse einzeln abklappern. Barfuss konnte man sich ohnehin spielend einen Splitter in die Sohlen pflastern, unsere Schuhe mussten wir der reinlichkeit Halber unten ausziehen.

Gegen 8 Uhr torkelten die ersten zur eisig kalten Morgendusche. Jacky und Woody bereiten unterdessen das Fruehstueck. Ich habe mir fest vorgenomen die kommenden 3 Tage locker ohne umfassende Heisswaxversiegelung, sprich Dusche, auszukommen. Nic meinte, nach 2 Wochen wuerden sich die Haare ohnehin von selbst reinigen. In meinen Ohren klingt dieser Plan wie die reinste Musik. Just in dem Moment als wir alle etwas zerknittert unseren allmorgentlichen Morgenkaffee bzw. Tee (der Marke: mit ganzen Aesten) schluerfen, kommt auch schon leichtfuessig einer der Jaeger dieses Bergdorfes vorbei. Zwille in der einen Hand, Bogen in der anderen und auf dem Ruecken eine ganze Batterie an Fallen und zugeschnuerten Saecken. Jacky hatte uns bereits am Vorabend die Funktionsweise der Schnappfalle gezeigt: eine einfache Schlingenfalle, die gerade stark genug ist einen Finger zu fixieren. Er breitet seine Utensilien am Lagerfeuer aus und oeffnet die Saecke. Fette Beute wuerde ich mal sagen: Mindestens 2 Duzend Ratten im allerfrischesten Zustand erfreuen unser Auge. Es eruebrigt sich daher der fluechtige Gedanke ueber unser gestriges Abendessen. War es wirklich Huehnchen? Schwein? Oder doch Ratte? Fakt ist, es hat geschmeckt, sehr gut sogar. Im Grunde ist es also wurscht. Unsere englischen Begleiterinen laufen derweilen sichtlich gruen an und werden etwas blass um die Nase.

„Juuuungs, Sachen packen, in 10 Minuten geht es weiter…“ Auf zur naechsten Etappe. Nach der eisig kalten Nacht ist es verstaendlich das die noch verbleibenden 6 nicht sehr zuversichtlich ueber unsere naechste Behausung denken. Noch hoeher gelegen, schlechter ausgesattet und keinerlei Beleuchtung. Schnell noch die Wasserflaschen gefuellt und es kann weiter gehen.

Waehrend wir so durch den Urwald tapsen kommt mir ein Gedanke: Jacky telefoniert hin und wieder mal ueber sein Handy, spricht sich notizen auf’s Band. Hatte im letzten Dorf nicht jede 2. Huette eine Solaranlage? Okay, nicht gerade das Topmodell, aber immerhin. Ich und unsere Mitreisenden habe keine. Daher vermute ich mal, das jedes Haus, kaum das die Touristen den Dorfrand verlassen haben, die Flachbildfernseher ausklappen, die Bordsteine herausrollen und alles wieder auf normalzustand setzen. Die Notizen die Jacky in sein Handy spricht koennt also auch folgendermassen sein: „Rudi? Kannst du mich hoeren? Wir sind in 3 Stunden im naechsten Dorf. Bereite schonmal alles vor. Alles weg von dem elektronischen Zeug und zieht euch schonmal um. Notiz an mich selber: Das naechste Mal die Solarpanels verstecken, sieht nicht sehr glaubwuerdig aus…“ Nun ja, oder so aehnlich.

Zurueck zum Programm: 4 Stunden quer durch die Botanik, wieder einmal ueber Bambusbruecken (teilweise sehr heikel) und durch das ein oder andere Reisfeld, Wasserbueffel inklusive. Auf der Haelfte parkt uns Jacky, der uebriges genau so aussieht wie Jacky Chan (diesmal mit dem Unterschied das er sic dessen ewusst ist) in einem Bergdorf seiner Schwaegerin und haut sich erstmal fuer 2 Stunden aufs Ohr. Wir vertreiben uns die Zeit mit den Dorfschweinen, Hunden und Huehnern oder was gerade sonst noch so der Pfanne entkommen ist. Die Toilette (eher ein Loch im Boden, sammt obligatorischer Schoepfkelle) ist diesmal so klein, dass selbst die kleinsten unter uns sich ordentlich verrenken muessen um diese ueberhaupt betreten zu koennen.

Mit einer waschechten „Bad Hair Day“ Frisur schnorchelt Jacky nach 2 Stunden aus der Huette. Auf, auf, der Tag ist kurz!

Nach 3/4 des Weges gibt meine Kamera den Geist auf. „CF-Lesefehler“. Die Speicherkarte ist hinueber. 400 Fotos ueber den Jordan. In Bangkok hatte ich das letzte Backup gemacht. Ich hoffe das mein Lesegeraet in Chang Mai vielleicht was retten kann, ansonsten muss ich halt bis Deutschland ausharren. Die Fotos sollten noch zu retten sein, ist schliesslich nicht das erstemal. Na wenigstens geht die Ersatzkarte. Ich muss mehr gutes Karma sammeln.

Abends kommen wir an unserem Nachtlager an. Geduscht werden kann an einem wunderschoenen Wasserfall. Allerdings ist die Temperatur wiedereinmal, eisigkalt. Nic und Frank haelt dies nicht davon ab, den ein oder anderen Koepper von den glitschigen Klippen zu zelebrieren. Eifelcourage reicht dafuer allerdings nicht aus, ich mache lieber Fotos. Dafuer haben wir was Decken etrifft das ganz groesse Los gezogen. Jeder hat mindstens 6 an der Zahl. Das sollte reichen, Gott sei dank hatten die anderen die kleinere Tour gebucht. Ueber die Faustgrossen Loecher in den Moskitonetzen sehen wir wohlwollen drueber weg.

Waehrend wir unseren Reis mit „Ratte“ verputzen gart Jacky sich einen fangfrischen Fisch im hauseigenen Bambusschmorrohr. Eine etwas eigentuemliche Konstruktion. Fisch rein, Gewuerze oben drauf, Kartoffel und Reis hinzu und ab ins Feuer damit. 4 Stunden spaeter hat man das feinste Futter im Umkreis von 50 Kilometern. Das Zeug war allerdings so scharf das Frank spontan nach dem ersten Bissen einen ueberaus hartnaeckigen Schluckauf entwickelte. Zur Freunde von uns anderen. Die Frenchconnection (Nic und Frank) frotzeln spaeter wiedermal ueber die Kilometerweiten Unterschiede zwischen franzoesisch Quebeck und Frankreich. Wir lauschen andaechtig und schmeissen uns fast ins Feuer.

Der Sternenhimmel ist heute Nacht noch schoener als zuletzt. Absolut klar und lupenrein. Jede Menge Sternschnuppen kreuzen unseren Weg. Mindestens 4 Wuensche fuer jeden. Moege meine CF-Karte zu Hause ein Paar Fotos ausspuken. Wir unterhalten uns noch bis tief in die Nacht und hauen uns dann ordentlich geraedert in die Huette. Der Tag war lang genug…

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