3. Dezember – Ajutaya

Wir sind umzingelt. 50 Tais sitzen in Reih und Glied und warten auf besseres Wetter. Wir befinden uns gerade am Hauptbahnhof von Ajutaya und zerstreuen unsere 3 Stunden Wartzezeit auf den Zug. Wenn alles klappt und unsere Tickets richtig sind sollte uns ein Nachtzug in 12 Stunden gute 800 Kilometer in den Norden nach Chiang Mai bringen.

Der Bahnhofsflair erinnert ein wenig an die Schulbaenke zur Grundschulzeit. Mehrere Reihen altes Holz, einer vorne der bloekt (hier allerdings mit einem Megafon) und viel gewusel. Uns kommt die Verschnaufpause nach dem ereignissreichen Tag sehr gelegen.

Wir mussten bereits um 6 Uhr loslegen und unsere Butze raemen, da unser Fahrer, Mister Tageshi, uns um 7 Uhr am Gaestehaus abholen sollte. Wem „Thailogistik“ was sagt versteht warum er dann doch erst um 8:15 ankullerte und der kleine Van liebevoll bis zur letzten Ritze befuellt war. Ich war heil froh das die Tickets aus dem Touristikbuero kein Fake waren und uns dann doch jemand abholte. Waere auch zu schoen gewesen.

Im Bus dann eine illustre Runde aus Hollaendern, Schweizern, Amis, Japanern und uns Schnitzeln. Wir erfahren das die beiden Maedels aus Holland die gleiche Tour in den Norden gebucht haben wie wir, plus Komplettierungsprogramm in den Sueden. 4 Wochen durchorganisiert bis in den letzten Winkel. Gott sei dank haben wir uns nur die ersten 8 Tage andrehnen lassen.

Heute standen jede Menge Steinruinen, Sonne und Hunde auf dem Programm. Ajutaya war einst die wichtigste Stadt Thailands. Allerdings wurde die Stadt im 15. Jahrhundert durch die Burmesen restlos zerstoert und so zog das Koenigshaus ins sichere Bangkok. Das heutige Ajutaya hat sich um die alten Ruinen herum gebaut. Vieles ist verfallen und schwer zu erreichen. Einigen wird sicherlich der in einen Baumstamm gewachsene Buddahkopf etwas sagen, der befindet sich auch in einer dieser weit verstreuten Anlagen. Teilweise werden diese Anlagen noch genutzt. Die ueblichen Hinweise die Tempelanlagen betreffen gelten somit auch hier.

Erst jetzt, nach all den Jahren, weiss ich ein Hemd mit langen Armen zu schaetzen. Ein wahres Allzweckwunder.

Wie so oft tauchen auf solchen Reisen wie aus dem Nichts an jeder Ecke Zwillingsbrueder und alte Bekannte auf. Der ruestige Rentner, des eben erwaehnten schweizer Paerchens, sah z.B. Jerry Garcia von den Gratefull Dead verblueffend aehnlich.

Katja erfindet ein neues Wort fuer jemanden, der eigentlich zu alt ist, aber trotzdem mit einer jungen, mit dreadlocks behangenen Studentin um die 23, verreist. Das Konstrukt nennt sich „Ferdy“ und laesst sich auf den „feddiejen Ferdy“ erweitern. Zu gebrauchen wie folgt: „Da wird sich die Mamm von dem Maedel da aber freuen, so einen Ferdy findet man auch nicht alle Tage…“ und deutet auf einen komplett geschlurften und zu tode gelangweilten Mittdreissiger.

In einem echten, historisch korrekten Thaihaus, donnere ich mir erstmal zuenftig die Ruebe gegen einen viel zu niedrigen Querpfosten. Ich bin fuer Sekunden wieder in Bangkok, der Stadt der Engel. Der Duft von gebratenem Reis zieht mich aber wieder rechtzeitig ins richtige Leben. „In Farbe und buuuunt“.

Die beiden Hollaenderinnen haben wir inzwischen verloren. Sie haben noch eine zusaetzliche Tour. Wir sehen die beiden spaetestens in Bangkok wieder. Wir nehmen die selbe Maschine nach Hause.

Der belgischen Grand Dame geht derweilen der Sprit aus. 36 Grad und kein Wasser sind nicht zu unterschaetzen. Bis sie wieder ansprechbar ist verraet unser Guide jedem sein chinesisches Sternzeichen, die entsprechende Farbe und die Haltung die Buddah an diesem Tag einnimmt. Katja, ich und der Guide haben vieles gemeinsam. An einem Freitag geboren, unsere Farbe ist blau und die Haltung von Buddah ist „reflektierend“. Katja ist zwar felsenfest ueberzeugt das „schlafender Buddah“ besser zu mir passen wuerde, aber Sternzeichen „Pferd“ passt hervorragend auf uns beide.

Zurueck am Bahnhof. Noch 2 Stunden, ich schaue mir ein wenig die Leute an. Kleiner Sprachkurs fuer zwischendurch: Ayutthaya wird nicht etwa wie „Biene Maaaayaaaa“ betont sondern eher wie das bekannte „a juuuuten Tach, ja?“.

Zum Thema Wegesration: Auf der Hinfahrt zur Ruine haben wir uns an einer Raststaette etwas Gebaeck gekauft. Katja greift zielsicher zu einer Rosinenschnecke, ich nehme gefuellte Teigbaellchen mit irgendetwas. Ich bin mir sicher es gab welche mit Schokofuellung oder gar mit Marmelade. Als Katja mich im Bus fragt was denn drin sei, beisse ich beherzt hinein und antworte: „Boempf… moment… (ein ellenlanger Faden entwindet sich im Inneren) ein Seil? Warte ich lunz auf der Verpackung.“ Nach kurzer Zeit stand unmissverstaendlich fest, es handelt sich um getrockneten Seetang. Ich habe die Lacher auf meiner Seite und verputze die ganze Packung. So uebel war es dann doch nicht.

Wieder am Bahnhof, noch eine Stunde. Neben uns puhlt ein Leergutsammler, der mindestens so alt ist wie das Zentralmassiv in den Muelleimern nach Plastikflaschen und allerlei Dosen. Abstrusterweise frage ich mich, ob man hier in Thailand irgendwann einfach zu alt ist eine typisch asiatische Toilette aufzysuchen. Ich fuer meinen Teil musste mich ordentlich verrenken um die Oeffnung im Boden ordnungsgemaess zu treffen. Und das obwohl ich ueberzeigter Sitzpinkler bin. Ich muss hier noch ein wenig an meiner Technik feilen. Wo ist ein Gelaender, wenn man eins braucht. Den Gedanken ans groesse Geschaeft verwerfe ich derweilen.

18 Uhr, es erklingt die Nationalhymne. Alle auf dem Bahnhof, so auch wir, stehn mehr oder weniger stramm und lauschen der Musik. Einige singen. Selbst die Arbeiterbewegung auf der anderen Seite, die seit 50 Minuten Sportuebungen vollfuehren haben ihr Programm unterbrochen. Dem Dicken in der letzten Reihe kommt die Pause dem Anschein nach sehr gelegen. Er schwang die meiste Zeit ausgepumpt die mueden Keulen.

Puenktlich zum Sonnenuntergang kommen die Muecken. Unmengen davon. Antibrumm muss jetzt beweisen was es auf dem Kasten hat. Der Bahnaufseher in Militaerklamotten weist uns freundlichweise auf die Richtige Warteposition am Bahnsteig. „Hier?“ – er winkt uns weiter hinaus ins dunkle, wir fragen noch ein paar Mal nach und befinden uns gut 50 Meter ausserhalb des Terminals. Mitten im Gruenen, kein Dach mehr, nur noch Hunde und ein paar Fahrgaeste. Ach, das wird schon stimmen. Ein ohrenbetaebendes Warnsignal. Endlich kommt unser Zug …

5 comment(s)

Hey Kinder! Freut uns, das es euch gut geht! Genießt die Zeit und lasst euch nicht all zu viel übers Ohr hauen! Hier ist alles bestens plus Scheißwetter ;-).
Grüße von Marina und Michi

PS: Mal so am Rande, die ersten Bands für Rock am Ring stehen fest und was soll ich sagen, wir sind auf jedenfall da, denke ich…..oder?
>>
Babyshambles
Bullet For My Valentine
Die Toten Hosen
Dimmu Borgir
In Flames
Metallica
Motörhead
Nightwish
Rage Against The Machine
Sportfreunde Stiller
The Hellacopters

Ui, die 3. letzte Position laesst mich aufhorchen. Ich denke das ist gebongt. Sind gerade in Sukhothai angekommen. Alles bestens hier. Morgen machen wir uns auf den langen Weg in den Sueden. Neues Basecamp in Krabi errichten. Ich versuch euch auf dem Laufenden zu halten. Bis bald!

Werteste Jungs und Mädels,

da gibt’s überhaupt kein Überlegen… Wenn RATM am Ring sind, sind wir auch da!!!!

Und: Ich wäre jetzt auch gern in Thailand. Na, ja nächstes Mal dann… 😉

Alles Gute und super viel Spass.

Jooaahhhhh, da haste recht Steff! Aber Hauptsache Rock am Ring und Thailand fällt nicht zusammen… Katja und ich können ja ein Lied von sowas singen ;-).
Ok, Kinder weiter machen, wünsch euch viel Spass weiterhin….
Seid ihr noch mal in Bangkok? Ich könnte ja mal meine alten GKN Kollegen anrufen, die würden bestimmt gerne den Guide spielen….. sagt nur an….tschüüüü

Hossa Fiesen. Klar ist der Ring gebucht. Die eine gute Band reicht volkommen. Also fuer mich. Der Rest wird sich schon melden.

Wir sind jetzt schon in Krabi, gaaaaanz im Sueden. Bangkok haben wir auf dem Rueckweg nur aus dem Bus gesehen. Wenn Katja noch einen Tempel sehen muss wird der Hut voll gemacht, aber randvoll und das will was heissen. Jetzt erstmal ordentlich relaxen. Moped fahren und die Inseln erkunden. Hier ist alles Tip Top. Allerdings hat Katja ihre Sonnenbrille und den Hut in einem der Busse vergessen. Macht nix, die gibbet hier fuer’n Appel und’n Ei. Ich versuch heute Abend noch was in den Blog zu tackern. Machts gut!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.