Filmreview: Die Hard 4.0 – „Den Bruce ass zreck…“

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Ich hatte mal wieder Hunger auf eine Tüte gesalzenes Popcorn. Diesmal stand „Die Hard 4.0“ auf der Liste.

Das dreckigste Unterhemd der Filmgeschichte geht ein weiteres Mal auf Streife. Finster dreinblickende Computernerds hacken sich in das Computernetz der US-Behörde und wollen so an den ganze großen Bingo Gewinn kommen. Zur falschen Zeit am falschen Ort ist wie in jedem Teil der „Stirb langsam“-Serie auch diesmal wieder Detektive John McClane. Dieser kreuzt mehr oder weniger aus Zufall den Weg ein paar unterbelichteter Zirkusakrobaten, getarnt als Heckenschützen, die sich von ein paar Ex-Mitarbeitern trennen wollen.

Diese Ex-Mitarbeiter sind eigentlich Linux liebende, Alienware-Laptop tragende Filmfreaks, die für den Hauptfiesling im laufe des letzten Quartals mehr oder weniger bahnbrechende Computerprogramme geschrieben haben, mit denen dieser jetzt die Welt beherrschen will. Da unser Fiesling nach Ablieferung der Codes nicht mehr auf koffeinsüchtige Quasselstrippen angewiesen ist, lässt er jedem ein Computervirus unterjubeln und eine im Rechner versteckte Bombe beim betätigen der Delete-Taste zündeln. Das klappt auch ganz hervorragend, bis auf den letzten im Bunde. Dieser wird rechtzeitig von McClane abgefangen und nach Washington eskortiert.

Somit haben wir die Grundzutaten für einen guten Buddy-Film mit 80er Jahre Flair zusammen. Justin Long, mimt den ewig quasselnden Web 2.0 Junkie mit Verschwörungsanleihen und Bruce macht das was er am besten kann. Sprüche kloppen, Personen verkloppen und politisch herrlich inkorrekt Frauen in Fahrstuhlschächte verfrachten.

Justin Long ist dabei weitaus weniger nervig als ich angenommen hatte. Wer ein paar „Wow, hast du das gesehen? – Was war das denn? – Wie konnte das geschehene?“ im Minutentakt locker wegstecken kann, wird mit ihm seine helle Freude haben. Auf sein Konto geht auch der eindeutig beste Spruch des Films. Das Szenario: Alles liegt in Schutt und Asche, Bruce hat keine Munition mehr, alle Zwischengegner sind beseitigt. McClane hat gerade seinen dritten Sturz aus 20 Meter Höhe locker verkraftet und blutet ganz nebensächlich den Boden voll. Da kommt unser Hacker um die Ecke. Leicht humpelnd, aber im großen und ganzen unverletzt. Bruce: „Yeah… das war doch mal was. Wie geht es dir?“ Justin: „Verdammt, ich hab mir mein Knie aufgeschürft und mein Asthma bringt mich um, aber ansonsten alles bestens.“

Der Gastauftritt von Kevin Smith als Hackerlegende „Warlock“ war für mich das eigentliche Highlight des Films. Gefühlte 130 Kilo schwer, dafür aber mit allen Gadgets aus Film, Funk und Fernsehen ausgestattet spielt Smith eigentlich sich selbst. In jeder Ecke steht ein Requisit aus alten „Silent Bob“-Zeiten oder zu mindestens etwas aus Star Wars Universum.

„Hey McClane… lass Boba Fett stehen… der war teuer!“ – „Boba Fett? Ich kenne nur Star Wars…“

Schade das Smith nicht all zuviel Screentime hatte, da hätte ruhig noch mehr kommen können.

Völlig vergessen konnte man hingegen die komplette Schergenriege. Da hätten wir zum einen: „Paolo mit dem Pizzablitz“, einen italienischen Hacker mit beeindruckenden Oberarmen, der im Film zwar einen fähigen Hacker spielen soll, dem man diese Rolle aber nicht eine Sekunde lang abnimmt. „Tastertur… drücke dich! Jetzt!“

Mai Lihn, gespielt von Maggie Q, directed by McG, produziert von Ali G. Geht das heute nicht mehr mit einem normalen Namen? Ich nenne mich ab heute auch nur noch Jay Jay L. Klingt auch gleich viel besser. Oh, ihre Rolle. Bluse möglichst weit geöffnet haben. Kein Wort sprechen. Alle Männer verdreschen. Von Bruce auf einer Motorhaube liegend durch ungelogen 9 Wände gefahren zu werden, dabei 24 Deckenlampen gegen die Rübe bekommen und am Ende in einen Fahrstuhlschacht fallen. Ganz großes Kino.

Der Boss: Thomas Gabriel aka Timothy Olyphant. Wer kam auf die Idee diesen Schauspieler als Gegenpol zu Bruce Willis zu besetzen? Geht nicht, gibt’s nicht. Funktioniert leider überhaupt nicht. Am Ende dachte ich er würde jeden Moment in Tränen ausbrechen, wenn Bruce ein weiteres Mal die Stimme erhebt.

Der Film hatte zudem einen ganz schwachen Moment. Es gibt eine sündhaft teure „Jagdflugzeug verfolgt LKW“-Szene. Diese ist leider so unglaubwürdig ausgefallen, das sie selbst in einem Die Hard Film etwas deplatziert wirkt. Das ganze Ding ließ eher darauf schließen, das noch 30 Millionen zuviel in der Portokasse waren und unbedingt noch ein Showdown her musste. Jungs, muss nicht sein. Lkws müssen nicht unbedingt eine Autobahnauffahrt in Spiralform hochdonnern, nur damit knapp dahinter ein Jet das ganze Betonding in Schutt und Asche legen kann.

Wie ein Lkw gegen den Jet gewinnen kann? Ganz einfach, speziell ausgebildete Jetpiloten warten immer unterhalb einer abbrechenden Brückenfront, nur um dann einen ordentlichen Brocken Beton in die Düse zu bekommen. „Mayday, Mayday, Mayday!“ zack, erledigt. Es fehlte nur noch das Bruce den Piloten, nachdem dieser mit dem Fallschirm wieder gelandet ist, durch den Helm das Esszimmer ausräumt. Nun gut, man kann nicht alles haben.

Gab es denn noch etwas zu lernen? Auf jeden Fall!

  1. Lampen die vom Stromnetz genommen werden, machen ausnahmslos ein lautes, wummerndes Geräusch. Auch Ikealampen auf einem Tisch verströmen einen Sound, als würde gerade ein Militärgenerator vom Netz genommen. Diesen Ton hört man natürlich auch, wenn die Kameraaufnahme aus dem Weltraum stammt.
  2. Viren können auch auf Linuxrechnern aufgespielt werden. Und zwar immer mit einem Bombensymbol, einer Downloadanzeige und einem zitternden Bildschirmsignal. Wenn der Rechner dann nicht mehr gehen sollte, immer, aber auch wirklich immer die „Delete“-Taste drücken. Das wirkt wahre Wunder.
  3. Wenn gefeuert wird, immer nur auf Hüfthöhe oder höher. Damit, falls jemand hinter einer Wand, einem Sofa oder einem Aquarium kauern sollte, dieser bestimmt nicht getroffen wird.
  4. Lkws mit 30 Metern Länge beschleunigen immer. Mir ist auch bekannt das Lkws mehr als 6 Gänge haben, dass man aber über 5 Filmminuten nichts anderes macht als hochschalten ist mir neu.
  5. LKWs können Luft-Boden Raketen ausweichen. Egal wie viele es sind.
  6. Man kann jemand anderen durch seine eigene Schulter erschießen. Der andere muss anschließend 5 Meter nach hinten fliegen.
  7. Hacker und Computernerds besitzen alle Alienware-Laptops und benutzen keinen Instant Messenger. Merkwürdig.

Okay, genug gemeckert. Ich gebe dem Film trotz allem 8.0 von 10 möglichen Unterhemden. Besser als der 2. Teil, aber schlechter als der 3. Schwamm drüber, Bruce rettet alles. Egal wie unglaubwürdig es ist. Der 5. Teil kann also kommen. Mit oder ohne Rollstuhl.

3 comment(s)

gelesen bei http://www.nackoswelt.de

Stirb langsam is das blödeste Sequel ever. Noch vor Star Wars.
Weils auf eigenartige Art und Weise das natürliche Männlichkeitsbedürfnis von Männern stimuliert. Auf sone Art und Weise, die mir selbst dann zu wider wäre, wenn ich einigermaßen normal wäre. Normal im Sinne von Frauen ficken, auf Moppen schrebbeln, als Nichtstudent ins StudiVZ eintragen um Weiber abzuchecken, nachts zugucken, wie leicht bekleidete Damen im DSF Sportwagen in den Matsch fahren. In diesem Sinne normal. Klar, dass solchen dummen Typen auch Stirb langsam” gefällt. Wennse net so viel Schiss hätten vorn Blicken ihrer Mitmänner, würdense sich auch noch Poster von Bruce Willis ins Zimmer hängen. Aber das würde natürlich zu weit gehen. Man könnt ja sonst meinen. Nee, undenkbar. Pfui. Für mich ist Bruce Willis net mal ein Schrebbelobjekt. Er ist übertrieben. Seine Filme sind eigentlich reine Persiflagen auf die ganzen dummen Typen. Nur die checkens natürlich net. Für die is Männlichkeit und Bruce-Willis-Verhalten bis in die Unendlichkeit steigerungsfähig. Sowas is für die nie lächerlich. Und sprichtmer die darauf an, dann is auf einmal alles nur Ironie. Aha. Soso. Türlich. Is alles Ironie. Carstuckgirls und dumme Typen die alles dafür tun, nur umne Alte flachzulegen. Die Radfahrer mit Helm als lächerlich bezeichnen. Is alles nur Ironie. Die pure Dummheit is des, keine Spur von Ironie. Und Bruce Willis isne Witzfigur. Warer für mich eigentlich schon immer. Und jetzt endgültig. Solche Typen sinds dann die behaupten, Schwule wollten immer und überall nur ficken. Klar wollnse. Nur sind die net so dumm, ihr ganzes Leben und alle Verhaltensweisen aufs Ziel Ficken” auszurichten. So wie dumme, normale Typen.

Mensch Lukas, erstmal willkommen auf Koreatabs. Und nu ganz langsam wieder ausatmen, so schlimm war der Film doch nun auch nicht. Ansonsten einfach mal den „Last Boyscout“ ausleihen, dann klappt es auch wieder mit Bruce. In diesem Sinne: Prost!

So Jung, 8 von 10 is doch genau richtig. Auch wenn da viel mit Hightec Gehacke abgeht, im Grunde ist das Story Gerüst vollkommen egal bei den Die Hard FIlmen. Wen interessiert schon ob Hans Gruber Geld aus dem Tresor will, oder irgendso ein Honk nen anderen Honk-Gefangenen aus Kuba freipressen will?

Das Ding steht und fällt mit dem Bruce, und der mittendrin in diesem Hightec-Wahnsinn ist einfach Gold wert. Selbst die LKW – Jet Szene paßt da wie eine 1 rein.

Guck da zBsp mal auf True Lies. Da gibts fast genau das Gleiche.

In diesem Sinne, Bruce rockt alles weg.

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