Im Bus nach Jujuy, 13.10.06

Ciao San Pedro de Atacama. Ciao Donaldo, Robi, Uwe, Susanne und Macarena! Ciao Susi, die staubige Hauskatze!

Ein ganz besonderes Ciao geht natuerlich an Bastel. Unsere trierer Enklave, die wir leider mit schwerem Herzen zurueck lassen mussten. Bis zuletzt haben Michi und ich drauf gehofft, dass er uns mit nach Argentinien begleiten wuerde, da ihm der organisatorische Stress in den letzten paar Tagen ziemlich zugesetzt hatte.

Das nicht funktionierende Bad, das abgestellte Wasser, die ratlosen Handwerker, die unlogische Endabrechnung. All das nagt ordentlich an seinem Gewissen. Am Abend zuvor hat er uns die Rechnungszusammenstellung mit Engelszungen zu verstehen gegeben. Versteckte Posten, zusaetzliche Leistungen, wir waren schon etwas ueberrascht. Natuerlich ist Sebastian nicht der Richtige um unseren Aerger gehoerig Luft zu machen. Die eigentlichen Besitzer des Hostels, die auch die Rechnung frisiert haben, sind natuerlich nicht da. Wie so oft in den letzten Tagen.

Die chaotische Organisation musste auch der Handwerker ertragen, der eigentlich bestellt wurde um das Wasserproblem unter Kontrolle zu bekommen. Wir beobachten ihn wie er den ganzen Tag planlos und ohne jegliche Anweisungen an der Huette herumwerkelt. Gegen Abend steht er wie ein Staubteufel, fluchend und abgekaempft in der Tuer und lasst auf spanisch seinem Unmut freien Lauf. Auch ohne Uebersetzung verstehen wir jedes Wort, seine Gestik und Mimik lassen keine andere Interpretationsmoeglichkeit zu. Ich reime mir folgenden Wortlaut zusammen: „Da ruppe ich von Morgens bis Abends hier die Wand auf, arbeite mich dumm und daemlich und bekomme dafuer nicht einmal einen feuchten Haendedruck. Wo ist hier der Verantwortliche? Morgen bin ich das letzte Mal hier und wenn ich dann immer noch nicht wissen sollte was hier Sache ist, reisse ich die restliche Wasserapperatur auch noch aus der Wand!“ Sprachs und ging staubend von dannen.

Sebastian macht das alles etwas ratlos. Er und Macarena, die Hausfee und gute Seele des Hauses, tun wirklich ihr bestes. Sie machen viel mehr als von den beiden verlangt wird und trotzdem werden sie von der Hostelleitung nur als Suendenbock missbraucht. Bastel z.B. bekommt fuer seine Dienste nichtmal einen Lohn. Bett und Verpflegung muessen reichen. Wir versuchen ihm klar zu machen, dass er wegen uns kein schlechtes Gewissen zu haben braucht. Wir haken wegen der Rechnung jetzt auch nicht weiter nach. Immerhin steht ja noch der letzte Umtrunk an. Quasi unser Bergfest.

Am neachsten Morgen geht es mir Gott sei dank wieder besser. Ich habe geschwitzt wie ein Rennpferd. Es war wohl nur ein kleiner Sonnenstich. Ich trinke jetzt erstmal ordentlich Wasser und packe mit Michi die Rucksaecke. Uwe bleibt noch bis zum Abend. Bastel bringt uns freundlicherweise mit dem Jeep zum Busbahnhof. Der Abschied faellt uns wirklich schwer. Wir haben Sebastian versprochen seinen Eltern in Trier einen kleinen Besuch abzustatten und ihnen ein paar Fotos von ihrem Bub aus San Pedro zu geben. Vielleicht hat er ja in ein bis zwei Tagen so die Nase voll, dass er nach Tucuman nachkommt. Hey Bastel! Du schuldest mir noch eine Partie Schach!

Der Bus nach Jujuy ist diesmal abgesehen von mir und Michael absolut Schnitzelfrei. Wir sind auch die einzigen die ueberhaupt nach Jujuy wollen. Alle anderern steigen erst eine Stunde spaeter in Salta aus. Vor uns schmettert ein chilenischer Karl Jupp ein Volkslied nach dem anderen. Michi schlaeft schon. Ich werde mir noch ein wenig die Landschaft ansehen. 4800 Meter wir kommen! Diesmal bekommst du mich nicht klein.

Falls sich jemand mal ueberlegen sollte San Pedro de Atacama einen Besuch zu erstatten, sollte er sich nicht vom ersten Anschein abschrecken lassen. Selbst wenn es aussieht wie in Bagdad, kann man hier eine sehr schoene Zeit haben. Genuegend Schatten, einen trierer Tourguide und ausreichend Sonnencreme vorrausgesetzt.

Spaeter am Abend. Gut 1 1/2 Stunden haben wir an der argentinischen Grenze verboemmelt. Jeder bitte nur ein Kreuz. In 5er Gruppen werden wir durch die Bude geschleust. Wie die Jungs soviel Zeit gebracht haben, ohne auch nur das Gepaeck zu filzen ist mir ein Raetzel.

Naja wenigstens koennen wir die restlichen 7 Stunden schlafen. Wobei schlafen ein sehr dehnbarer Begriff ist. Das junge chilenische Paerchen vor uns stellt ihre Sitzlehnen soweit nach hinten, dass der Mann schon fast auf Michis Guertel platz nehmen kann. An unsere Wasserflaschen kommen wir so auch nicht mehr rann. Immerhin koennen wir einen wunderschoenen Sonnenuntergang bewundern, ehe uns der Fahrstil des Busfahrers melonengrosse Schweissperlen auf die Stirn zaubert. Der Kerl faehert in stockdunkler Nacht schneller als ich tagsueber mit einem PKW.

Puenktlich um 23 Uhr treffen wir in Jujuy ein. Ich habe das Gefuehl ich bin in Bankok gelandet. Hohe Luftfeuchtigkeit und drueckende Hitze rammen sich wie eine Fuast in unsere Gesichter. Die gefuehlten 5 Millionen Menschen, die zu dieser spaeten Stunde noch unterwegs sind, machen unsere orientierung nicht unbedingt einfacher. Nachdem wir an einem Sammeltaxistand kein Glueck gehabt haben, erwischen wir endlich eine begehrte Karosse auf der anderen Seite des Busbahnhofs. Ich haue dem Fahrer die hintere Tuer versehentlich so feste zu, dass ich ersteinmal eine ordentliche Schimpfkanonade erdulden muss. Er gibt uns spaeter zu verstehen dass er nur Spass macht. Die Tuer sei eh defekt. Leider setzt uns der Taxifahrer an dem falschen Hostel ab. Dieses hier ist total ueberlaufen, angeblich ist morgen eine Art Frauenunabhaegigkeitstreffen in Jujuy. Netterweise zahlt uns das Hostel ein Transfertaxi zum Schwesterhostel.

Wir sitzen gerade in der Lobby, als das Telefon klingelt. Matias ist dran, ob die beiden deutschen aus Chile schon angekommen seien. Michi uebernimmt den Hoerer. Matias wuerde morgen mit einem Mietwagen gegen 12 Uhr auf der Matte stehen. Endlich, das wollte ich hoeren. Ausschlafen! Alte Tugenden, ich hoere euch tapsen!

Mit von der Partie seien diesmal auch Daniela und Carmen. Na, da wird der Mietwagen ein gutes Stueck billiger und der Trip bestimmt auch lustiger. Ich schaetze seine Freundin wollte ihn nicht nochmal die schoensten Spots abklappern ohne sie mitzunehmen. Aha, da ist das Transfertaxi, Dusche ich komme. Nach zwei Tagen ohne Wasser die reinste Wohltat. Mein erster Gedanke unter der Dusche ist:“Suuuuumatra Rain!“

Auf dem Flur treffen wir einen Mitarbeiter des Hostels, der uns nach unsererer Aussage, wir kaemen gerade mit Giminireisen aus San Pedro de Atacama, sein tiefstes Mitgefuehl ausspricht. So, Feierabend! Morgen geht es wieder mit Matias auf Tour. Wir freuen uns diebisch!

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