San Pedro de Atacama, 10.10.06

Kann es wahr sein? 4:20? Noch frueher und ich bekomme junge Hunde. Wir haben uns kaum halbwegs elegant aus den Betten geschaelt, da steht auch schon ein total ledierter Sebastian in der Tuer. Seine Nacht war so schlecht und sein Schaedel nun so dick, dass er leider nicht fit genug fuer unsere heutige Tour ist. Juan wuerde sich auch ohne ihn gut um uns kuemmern. Mit der Verstaendigung werden wir schon irgendwie klar kommen. Als Juan uns ueberaus puenktlich mit dem Pickup abholt stelle ich erleichtert fest, dass er ganz passabel englisch spricht. Die ein oder andere Information werden wir nun doch noch mit eigener Kraft hervorkitzeln koennen.

Die Hinfahrt zu den Gysieren ist erwartungsgemaess ruhig und relaxt. Das Sandmaennchen hat bei jedem von uns eine ordentliche Ladung Schlafsand hinterlassen. Irgendwann nach 100 Kilometern querfeldein erreichen wir die Ticketstation. Ja, auch Naturschauspiele wollen bezahlt werden. Ich halte kurz meinen Gewuerzpruefer in die frische Luft und lasse mir von dem am Tickethaeuschen angebrachten Thermometer die erschnupperten -5 Grad optisch bestaetigen.

In etwa 5 Kilometern Entfernung kann man schon die Rauchschwanden und Fontaenen sehen, in werniger als 10 Minuten wird die Sonne hinter dem Bergkamm aufgehen und alles in ein herrliches Zwielicht tauchen. So steht es zumindestens im Lonely Planet. Juan parkt unseren Jeep zentral gelegen und fuehrt uns durch das riesige Gysierfeld. Einer ist in meinen Augen schoener als der andere. Kann mir bitte jemand die Futterlucke schliessen? Sowas gehoert sich einfach nicht.

Wir haben alles im Angebot, von leise blubbernd bis hecktisch wuetend, kaatzig zischend bis biestig fauchend. Die Dampfsaeulen im Gegenlicht bringen meine Speicherkarten schnell ans Limit. Nach den ersten Impressionen wird ausgiebig gefruehstueckt, so ausgiebig es 4800 Meter halt zulassen. Ich bin aber von den Kochleistungen einer 4×4 Laderampe restlos begeistert. Heute bitte extra starken Kaffee. Juan, mach bitte die Tasse voll mit Pulver und reich mir mit der Pinpette einen tropfen Wasser. Ich als Quellauge Nummer eins, brauche heute etwas laenger um auf Betriebstemperatur zu kommen.

Da das Licht heute aber besonders gut zu sein scheint, vertilge ich das Fruehstueck in rekordzeit und tiegere weiter mit meiner Kamera durch die Rauchschwaden. Michis obligatorische Freudensspruenge wollen schliesslich auch festgehalten werden. Mit fortschreitendem Sonnenaufgang und steigenden Temperaturen werden die Gysiere immer kleiner. Juan sagt uns das in weniger als einer halben Stunde nichts mehr davon zu sehen sein wird.

Um unsere mueden Knochen etwas gutes zu goennen baden wir ausgiebig in einer 2 Kilometer entfernen heissen Quelle. An manchen Stellen kann man sich da ordentlich die Flossen verbrennen, aber das stark mineralhaltige Wasser soll ja besonders gut fuer problematische Mischhaut sein. Hilft nix, rein in die Pfuetze! Waehrend die drei Preussen seelig planschen, haelt Juan seine wohlverdiente Mini-Siesta.

Als wir uns spaeter zurueck zum Auto begeben ist von den Gysieren tatsaechlich nichts mehr uebrig geblieben. Nur noch ein einziger, kuemmerlicher Schlot blubbert einsam vor sich hin.

Da wir heute die letzten Helden auf dem Erdbeerfeld sind nehmen wir auf unserer Ladeflaeche noch die beiden verbliebenen ruestigen Parkwaechterinnen mit zu deren Amtsstube. Wind und Wetter stecken die beiden erstaunlich leicht weg. Auf dem Weg nach San Pedro de Atacama kann ich endlich ein brauchbares Teufelslamafoto schiessen.

Da unsere Batterien absolut am Ende sind, verbringen wir die heissen Mittagsstunden in unserem schattigen Hostelinnenhof. Michi schreibt Briefe, Uwe plant seine weitere Reise und ich schreibe reichlich Unsinn. Nebenan heult gerade ein Hund so jaemmerlich, dass wir schon davon ausgehen das er sich wohl beide Kloeten perforiert hat. Unser Plan fuer morgen sieht eine 20 km lange Fahrradtour durch die Wueste vor. Am Ende soll eine wunderschoene Lagune auf uns warten. Ich werde aussehen wie ein Feuermelder.

Spaeter am Tag haben wir dem Museo Arqueologico Padre Gustavo Le Paige einen ausgiebigen Besuch erstattet. Das von einem belgischen Pater gegruendete Museum zaehlt zu den besten archeologischen Museen Chiles. Da der Pater zu Lebzeiten die halbe Atacamawueste umgegraben hatte und alles peinlichst genau katalogisierte, gibt es reichtlich zu sehen. Michis Filter ist allerdings schon nach wenigen Minuten erschoepft. Die von Uwe vorgeschlagene Kirche bekommt er leider akustisch nicht mehr mit. Wir gehen besser auf die Plaza und setzen uns ein wenig auf die Baenke.

Endlich koennen Uwe und Michi mal einen Waschtag einlegen. Morgen bekommen beide ihre Sachen gebuegelt und gefaltet wieder zurueck. Ich druecke die Daumen.

Die wenigen Schnorrer gehen Uwe etwas auf den Senkel, ich geben den Jungs 100 Pesos und die Sache ist erledigt, nur sollten wir derern Stuetzpunkt nicht aus versehen ein drittes Mal passieren. Die Blicke werden schon etwas angestrengter.

Zurueck in unser Refugium. Bewaffnet mit einer Flasche Rotwein, die Uwe pedantisch genau ausgesucht hat, lassen wir den Tag erfolgreich ausklingen. Mit uns von der Partie, Macarena, die gute Seele des Hauses, Dagoberto, ein Guide aus dem Ort, Sebastian und Eric, ein aus Chile stammender Argentinier, der in Stockholm wohnt (schlagt mich wenn ich da was durcheinander geschmissen habe). Da mein Fahrrad fuer morgen leider einen Platten hat, versucht Dagoberto sein Moeglichstes, scheitert aber klaeglich. Uwe hat mittlerweile auch wieder seine Badehose gefunden, er versichert uns das es sich um ein Familienerbstueck handelt. Seb und Dagoberto muessen leider noch in die Stadt ein anderes Fahrrad organisieren. Wir hauen uns jetzt endlich hin.

3 comment(s)

Gratulation Brando!
Gerade hat uns hier am linken unteren Ende die Nachricht erreicht das unser Freund Brando erfolgreich Papa geworden ist!

Nur die besten Gruesse und alles Gute!

Michael

PS:Stell schon ml das Bier kalt Brando!

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