Wenn, dann aber nur mit Helm… Korsika.

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Wer sich in der nächsten Zeit mal überlegt haben sollte, ob er einen kleinen Abstecher nach Korsika machen will, kann sich ja die folgenden Wortknoten zu Gemüte führen. Um es vorweg zu nehmen, es gibt Spannung, Spaß und Schokolade. Einen Überfall in Nizza und einen mit 2 Nägeln perforierten Vorderreifen, der trotzdem nicht sterben will.

Okay, angesetzt waren etwas mehr als eine Woche, schön smoove mit dem Auto durch Frankreich, durch die schöne Schweiz, dort in Lugano etwas verschnaufen und am andern Tag nach Nizza die Fähre erwischen.

Hat auch alles wunderbar geklappt. Meine Bedenken bezüglich des Mautmassakers sollten sich schnell in Luft auflösen. Etwas Kleingeld für die Italiener und ansonsten geht’s auch mit Plastikgeld. Gott sei dank haben die Schweizer die Vignette. Sollte jeder einführen. Dann hätte ich endlich die komplette Frontscheibe zugepflastert mit bunten Scheinchen. Und immer schön mit Franklie zahlen. Euro sehen die überhaupt nicht gern. Und gutes Wetter auch nicht. Die Fahrt durch die Schweiz war ein einziges Regenchaos. Katja hatte sich schon 3 mal die Illusion auf die Sicht von hohen Bergen bewahrt, auch Nummer vier, auf der Rückfahrt sollte ihr keine Chance geben. Schweiz = Regen = Tunnel = aber trotzdem nette Leute. Na was will man machen, fix das Zimmer beziehen, was feines Brutzeln und als Duschenbesitzer ausgiebig die Badewanne benutzen. Am anderen Morgen ging es Richtung Nizza.

Hach, fein die Italiener. Drei Spuren zur Verfügung und alle fahren in der Mitte. Wie war hier noch mal das Tempolimit? 130? Gibt es überhaupt eins? Den Kollegen hier zur Folge nicht. Alle fahren als wäre Sommerschlussverkauf. Macht nix. Frankreich ist nicht mehr weit und das Meer schimmert schon soooo schöööön blau.

Aha… Nizza. Nie vorher gesehen. Okay… okay… Plattfuß in Nizza kennt man, aber ansonsten. Wir lagen gut in der Zeit für die Fähre, also konnte der Relaxpegel etwas steigen. Kurz vor dem Hafen machen wir noch unsere Scherze über zwei Kids auf einem Motoroller. Rote Ampeln gelten für die anscheinend nicht. 2 Ampeln später sollten wir wissen weshalb. Dort lag nämlich der Grund warum mich Südfrankreich so schnell nicht mehr wieder sehen sollte. Wir stehen also an der Ampel, ich kram noch etwas am Radio rum, als plötzlich von hinten jemand Hupt. Ehe ich überhaupt reagieren konnte war auch schon die Beifahrertür offen, ein Hauz mit Helm versuchte Katja raus zu zerren und machte sich über die Tasche im Fußraum her. Zack gepackt und weg war er, hinten zu seinem Kollegen, der gegen die Fahrtrichtung mit dem Motorroller wartete. Das ganze hat gefühlte 2 Sekunden gedauert. Und ich kann euch sagen… wenn einer ein Foto von uns beiden gemacht hätte, der Weißabgleich wäre hervorragend geworden. Was fehlte? Alles! Knete in Bar, Mastercard, EC, Handy, Schlüssel, Perso, Führerschein. Was man als Frau halt so alles in der Handtasche hat. Da half die Zentralverriegelung jetzt auch nichts mehr. Merke: Augen auf beim Eierkauf! Wir haben mittlerweile so viele Ach-ja-Südfrankreich-Da-ist-mir-auch-schon-mal-der Konbi-geklaut-worden Stories gehört, das wir eigentlich noch Glück hatten. Während Katja also über mein Handy versuchte alles sperren zu lassen, musste ich am Hafen feststellen das die Fähre heute überhaupt nicht anlegen kann. Der nette Herr mit den Tickets meinte, zu viel Wind. Aber die Fähre legt noch mal in Italien an. In einem Hafen 200 Kilometer weiter Östlich. Auf meine Frage, wie viel Zeit ich denn für die Strecke hätte meinte er nur: Na so 1 1/2 Stunden, fahren sie einfach den Auto hinter her die das Terminal verlassen. Klasse Idee! Da freu ich mich aber.

Also ab nach Savona. Bei dem Verkehr. 1 1/2 Stunden. Das ist doch ein Klacks. Die Fähre wartet auf sie, hier haben sie einen Aufkleber. Genau, die wartet. Ganz bestimmt. Während Katja so langsam ihre letzten Nerven an MasterCard International verlor, was vielleicht an den Sinnigen Fragen am Handy lag: Kartennummer? Die steht auf der Karte die mir eben geklaut wurde! Wie ich stehe nicht in ihrem Computer?! Okay ich warte… tülülü… hallo? Nein wir haben eben schon miteinander gesprochen! Ja… sie ist immer noch gestohlen. Nein… ich weiß meine Kartennummer immer noch nicht. Mein Passwort??? Okay… ich warte… Ja hallo?? – Aufgelegt. Verbindung unterbrochen. versuchte ich Savona heil zu erreichen.

Knapp 2 Stunden später waren wir vor Ort. Herrlich die Fähre kommt noch. Sie legt sogar an. Was für ein Wunder. Allerdings mussten wir uns noch mit 200 anderen Urlaubern aus Nizza am Terminal das Ticket umstempelt lassen. Was für eine Freude. Das Personal war überaus entspannt. Sprich ein Hühnerstall wäre eher das passende Bild für das Ticketpersonal gewesen. Nach einer Stunde anstehen endlich der Stempel. Stempel? Sieht verdächtig nach Discostempel aus. Die nette Dame meint noch, dass wir für die Unannehmlichkeiten 15 Euro gutgeschrieben bekommen. Wann und wo? Na auf der Fähre. An der Rezeption. Juhu! Bargeld. Nach Nizza konnten wir jeden Lappen gebrauchen.

Die Fähre selber war dann eine Mischung aus 70’er Jahre schick gepaart mit Titanicromantik. Goldüberzug aus der Spraydose an allen Ecken, verfeinert mit Lila Teppich. Yeah! Das freut den Farbfächer. Endlich mal die Beine hochlegen und etwas ausspannen. Schließlich mussten wir noch auf Korsika zur Westküste.

Katja startet ihren Versuch an der Rezeption. Nach 10 Minuten kommt sie wieder zurück und murmelt ein verbittertes Bitch. Die Rezeption hätte derzeit kein Geld und wir müssten warten bis der Kapitän eintreffe. Hab mich noch gefragt, ob der Hauz wohl erst später mit dem Beiboot zusteigen würde oder ob der Autopilot gerade Feierabend hat. Aus dem Hafen waren wir auf jeden Fall schon seit über einer Stunde raus.

Ich versuche mein Glück bei der netten Dame an der Rezeption. Aha, war klar, dass sie mit Bitch zurückkommt. Es empfing mich eine Scheiße-ich-will-heim-und-hasse-die-Welt Angestellte, die überhaupt keine Lust hatte irgendjemandem zu irgendeiner Zeit eine klare Aussage zu geben. Sie meinte nur lapidar, dass ich im 21:15 wieder kommen sollte. Gesagt, getan, 21:15 stand ich wieder auf der Matte. Zusammen mit 50 anderen Geizhälsen die 15 Euro haben wollten. Richtig schlecht fühlte ich mich jetzt deswegen nicht unbedingt. Allerdings der jetzt endlich eingetroffene Kapitän mit dem Wechselgeld schon. Es wurden wild irgendwelche Nachnamen geschrieen und nach 4 Minuten war auch schon das Wechselgeld verbraucht. Zu den Nachnamen gesellten sich jetzt Wer hat 5 Euro klein??? Wir brauchen Kleingeld!!! Keine Scheine!!!! Irgendwann hörte ich ein Kettensägenartiges Tschhheeeeeens!!! Tscccheeeens???? Ich hüpfte kurz auf und hab und frohlockte Qui????
Zack! Knete! Hier du Hund!!! Verschwinde!! Nächster!!!

Da jeh… dachte ich mir schlenderte wieder zurück zu unserem Platz und wartete auf das Anlegen. Gegen 22:30 waren wir dann endlich in Bastia. Jetzt hatten wir nur noch das Problem die Westküste zu erreichen. Ich kann euch sagen, nachts in einem Land zu fahren wo die Straßen so eine paradiesische Qualität haben, macht einem den Abend erst perfekt. Stellt euch die schmalste Straße vor die ihr kennt, halbiert diese, entfernt die Katzenaugen und die Fahrbahnmarkierungen, fügt jeweils links und rechts noch einen feinen aber Achsenfeindlichen Graben-Bordstein-Wasserrinnen-Dingsbums hinzu und schon kann es losgehen. Was war ich froh das ich die Schluchten und Abhänge nicht sehen musste. Das wäre zuviel für die Batterie gewesen. Irgendwann 3 Stunden später kamen wir am Campingplatz an. Fürs aufbauen waren wir zu erledigt, also wurde fix im Auto geschlafen.

Was jetzt folgte waren 7 wirklich schöne Tage auf Korsika. Nizza und die Fähre hin oder her. Korsika ist auf jeden Fall eine Reise wert. Für Biker, Wanderer und allen denen die einen Narren an Felsen gefressen haben. Klein Neuseeland habe ich die ganze Zeit gedacht. Aber bitte nicht mit Flip Flops oder Stöckelschuhen die Berge hinauf jückeln. Solchen Konsorten sind wir auch begegnet. Falls Markus das hier lesen sollte, Mountenbike Paradise! Ich habe zwar nur gequälte Gesichter gesehen, aber ich denke das ist deren Art zu zeigen, dass es ihnen Spaß macht. *g Auf jeden Fall sollte man sich nicht von den mit Schrotflinten abgeschossenen, zweisprachigen Ortschildern verunsichern lassen. Die Korsen haben halt ein etwas zwiespältiges Verhältnis zum französischen Mutterland. Da sind sie etwas eigen.

Ach ja, die Nägel! Okay, einen Tag vor Abreise fällt mir auf das mein linker Vorderreifen etwas geplättet wirkte. Nicht ganz leer, aber doch so ermattet das ich es vorzog fix zu einer Tanke zu fahren um den Luftdruck zu kontrollieren. Gesagt, getan… 0,5 bar waren alles was mir blieben. Jesses Maria Hilfs Kappelchi! Seit wann zum Geier fahr ich mit 0,5 Bar durch die Gegend? Okay… nachfüllen. Schnell mal mit meinen Tinituslauschern überprüft ob ich Luft entweichen höre. Nicht. Nada. Scheint alles in Ordnung zu sein.

Am anderen Morgen also fix nach Bastia. Fix bedeutet wieder 3 Stunden für 110 km. Auf Korsika braucht man Zeit, Geduld und etwas Nerven. Hafen problemlos gefunden. Auto abgestellt und da waren sie wieder, meine drei Probleme. Der Reifen, der Reifen, der Reifen. Sah wieder verdächtig platt aus. Scheiß drauf, dachte ich mir. Die Karre bekomme ich wieder auf das Festland und wenn es das… ach lassen wird das.

In Italien angekommen, unser Ausgangspunkt war diesmal Livorno, machte ich mich erstmal auf die Suche nach einer Tankstelle und dem obligatorischen Luftprüfer. Aha… 1 Bar… immerhin. Ich beschloss alle 100 Kilometer den Druck zu überprüfen und so bis Trier durch zu fahren. Unser Zwischenstopp in Basel musste wegen der etwas lädierten Reisekasse leider ausfallen.

Da fällt mir ein, wir hatte die ganze Zeit ein kleines Navi dabei. TomTom One. Das Ding ist der Retter in allen Lebenslagen. War zwar nur geliehen, aber als R2-Einheit haben wir es direkt in unser Herz geschlossen. Um noch etwas zu sparen überlegten wir kurz ohne Maut nach Trier zu kommen aber 15 Stunden gegenüber 9 1/2 Stunden waren eine klare Aussage. Der Tank war voll, der Luftdruck okay, die Zentralverriegelung unten. 17:30. Kann losgehen.
Beim ersten Luftstopp die erste Überraschung. Kein Luftverlust. 2 Bar. Alles bestens. Nun ja, vielleicht hat die Karre ja Selbstheilungskräfte von denen wir bis jetzt noch nichts wussten. Stopp 2 und 3 waren auch okay.. 1,5 bar und haltend. Immer schön nachgefüllt. So konnten sich die Nerven gut entspannen. Kaum bei den Alpen angekommen hatte uns das schlechte Wetter wieder. Die Gleichung Schweiz = Regen ging voll auf. Wir sind wie wir später herausfanden, sind wir einen Tag vor dem großen Steinabgang am Gotthardtunnel vorbei gekommen. Irgendwann in einer von diesen endlosen Baustellen in der Schweiz habe ich mit einem richtig fiesen Drängler zu kämpfen. Selbst auf Korsika wurde ich davon verschont. Nun gut, die Baustelle hatte irgendwann ein Ende, ich lassen den Kerl überholen, wer war es? COC Nummernschild. Ein Nachbar. So klein ist die Welt. Kurz vorher in Italien war auch einer der einen verdächtigen Stil fuhr. Italiener? Nein… Deutscher, Wittlicher Nummernschild. Was sollst. Trier ist nicht mehr weit. Fix noch an der Dauerbaustelle Basel vorbei und wir waren um 5:30 in Trier. Fix und alle, aber glücklich. Was aus dem Reifen wurde? Nach dem verdienten Schlaf habe ich bei Pitstop vorbei geschaut. Ich meinte ich hätte ein kleines Problem mit dem Reifen. Das Teil kam direkt auf die Hebebühne, ich wartete im Kabuffchen. Kurze Zeit später kam der Meister an und fragte mich seit wann ich mit dem Ding so durch die Gegend fahren würde. Ich sagte ihm, dass ich gerade von Korsika zurück wäre, das sind so 1200 Kilometer. Der Meister kratzt sich kurz am Kinn und meint, wie hoch meine Lebensversicherung sein? Hab keine. Will auch keine. Er zeigt mir den Reifen und ich erblicke einen astreinen Nagel. Er dreht ihn etwas weiter und da war Nagel Nummer zwei. Schön! 1200 Kilometer mit zwei Nägeln. Jetzt eine eiskalte Coke! Da die Reifen eh komplett runter waren hab ich mir 4 neue aufziehen lassen. Jesses. Wenn einem so viel Gutes widerfährt, dann ist das einen Asbach Uralt wert!

Aber wie gesagt: Der Urlaub war schön! *g

2 comment(s)

„Em lääve nett“ würde ich jetzt noch nach Korsika fahren… Ich hatte ja schon „angstträum“ von dem Raubüberfall, nachdem Du davon erzählt hast…
Aber einer musste die Erfahrung ja mal machen; gut, dass ich es nicht war 😉
Sorry.

Ach was, fahr ruhig nach Korsika. Mußt ja nicht den Fehler machen über Nizza zu fahren. *g Ich habe mal ein paar Fotos in den Fotoblog geladen. Da jeh! *g

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